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Fragestunde | Andi Valandi & Band

Sie kommen aus Dresden, sie machen schnörkellosen und kraftvollen Krautblues-Protopunk inklusive poesievoller Texten und Reibeisenstimme und sie stehen anlässlich ihrer Franken-Thüringen-Tour am 20. Mai zu dritt auf der Bühne des Stilbruch : Andi Valandi & Band. Vorab haben wir ihnen einige Fragen gestellt.

STILBRUCH: Wie viel Alkohol muss man getrunken haben und wie viele Zigarette geraucht, um eine solche Reibeisenstimme wie Andi Valandi zu bekommen?
ANDI VALANDI & BAND: Die Antwort ist 42. Ganz Ehrlich? Keine Ahnung. Das geht auch ganz ohne diese Lifes-Style-Drogen, würde ich sagen, und ist eher eine Frage der (Atem-) Technik.
Los ging’s damals, 2013, solo als Straßenmusiker mit Hut und Klampfe. Wie weit ist heute noch der Weg zum vom so sehnlich erträumten Whirlpool inklusive Schampus?Hahaa, weit, gaaanz weit, hoffe ich. Dann bleibt man mit den Füßen auf dem Boden und kann weiter in Ruhe rum spinnen. Wobei ich neulich vor ´nem Auftritt in einer heißen Badewanne lag und den billigsten trockenen Sekt aus dem Supermarkt schlürfte. Zählt das schon?
Sagen wir mal „Jein“. Aber hat eben dieser Traum euch 2015 als Band zusammenfinden lassen, oder was war der Grund?
Ja nee. Wir sind ne Handvoll Dresdner Kiez-Kiddies die sich einfach zusammengefunden haben, weil sie einfach Musik machen wollen. Ganz klassisch. Unsere Musik, darum geht’s. Ob du dann im Heu in der Scheune pennst oder im Hotel ist nebensächlich.
Ihr macht, so sagt ihr zumindest selbst, wilden Krautblues und Straßenköter-Protopunk – irgendwie undefinierbar, irgendwie ungreifbar. Warum wollt ihr in keine Schublade passen? Es wäre so viel einfacher.
Ja, schon. Aber Mal ehrlich, wo packst du uns denn rein? Blues? Ja, Naja. Punk? Ja auch. Irgendwas dazwischen halt. Und außerdem ist es sexy, eine eigene Schublade zu haben, oder?
Hätte tatsächlich auch gerne eine. Was anderes: Einer eurer Songs, „Muddi muss weg“, handelt davon, dass man mit 30 noch Zuhause lebt, die Muddi einfach nur nervt und aus dem Haus muss. Autobiographisch? Und falls ja, hast du es geschafft?
Ja.
Glückwunsch! Mal etwas ernster: Vor dem Hintergrund des aktuellen Zeitgeists, in dem Patrioten in eurer Heimatstadt Dresden einmal pro Woche „spazieren gehen“ und Flüchtlingsunterkünfte in Brand gesteckt werden: Wie politisch darf oder muss Musik eurer Meinung nach sein?
Kunst darf halt alles. Sie kann so politisch sein, wie sie will, und muss gleichzeitig überhaupt nichts. Wobei ich mich zu den Leuten zähle, die sagen: „Alles ist politisch!“ Eine Band wie TonSteineScherben zum Beispiel ist selbstverständlich politisch. Aber es hat genauso eine Aussage, zum Roland-Kaiser-Konzert zu gehen oder Bratwurst zu essen oder mit den Kindern auf den Spielplatz zu gehen. Oder eine Toilettenschüssel irgendwo hinzustellen und zu sagen: „Das ist Kunst!“ Aus dem allen kann man irgendwas ablesen. Und wenn es vielleicht nur folgende Aussage ist: Das und das interessiert mich nicht. Auch das ist doch politisch, oder man kann es zumindest so sehen.
Was sind Erfahrungen, die ihr selber schon mit Pegida gemacht habt?
Naja, die Stimmung ist ungewöhnlich aufgeheizt, mittlerweile seit mehreren Jahren, und der Diskurs wird immer aggressiver, dass man ihn meistens nicht mehr als solchen bezeichnen kann. Und seither gehen hier in der Umgebung dauernd die Heime in Flammen auf. Das ist schon bedrückend und macht ne ganz eklige Stimmung. Wir haben vor knapp zwei Jahren vor vielleicht 10.000 Leuten auf einer No-Pegida-Demo gespielt, das fand ich dann wieder ganz aufmunternd, auch wenn uns wahrscheinlich nur die ersten paar Reihen gehört haben.

Andi Valandi & Band spielen auf der Veranstaltung „Herz-statt-Hetze“ gegen Rechts.

Abschließend noch eine Frage: Ihr seid im Mai und Juni fleißig auf Tour unterwegs. Wieso zieht‘s euch nach Bamberg und warum in den Stilbruch?
Mein Onkel wohnt in Bamberg, aber das war denk ich mal nicht der Grund, dass wir unbedingt zu Euch wollten. Ich mein wir fahren einfach ne gute Woche in Franken und Thüringen rum und wollen halt Musik machen. So ungefähr ist das Konzept. Deshalb spielen wir auch bei euch. Danke dafür!
Gerne doch! Danke für das Interview.

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BANDPROFIL – ANDI VALANDI & BAND
Besetzung:
Andi Valandi (Gesang und Gitarre)
Frank Dresig (Mundharmonika und Keyboard)
Yvonne Rühle (Schlagzeug)
Platten: 
Liebe im Untergrund (2015)

Wer möchte, kann hier reinhören:

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Interview | Better Call Soul – pink mike & LeNeuf

LeNeuf und pink mike, zwei Soul-Supporter, die vor einigen Jahren gemeinsam beschlossen, die Veranstaltung „Better Call Soul“ ins Leben zu rufen, um so Frischluft in die Techno- und House-Hochburg Bamberg zu bringen. Wir haben mit den beiden vor ihrem Auftritt am 17. März im Stilbruch gesprochen:

Stilbruch: Wie seid ihr dazu gekommen, die Veranstaltung „Better Call Soul“  ins Leben zu rufen und so den Soul nach Bamberg zu bringen?
LeNeuf (Daniel): Das war doch eigentlich so ne klassische Schnappsidee, oder?
pink mike (Michi): Schnapsidee ja, aber du hast ja begonnen und hast die erste „Better Call Soul“-Veranstaltung alleine gemacht. Ich selber hatte vorher ab und an mal abends im Freiraum Soul aufgelegt, was aber keine feste Veranstaltung war. Irgendwann bin ich auf dich zugegangen und gemeinsam haben wir dann – bei viel Schnaps – festgestellt, dass unsere musikalischen Richtungen doch recht deckungsgleich sind. Von da an haben wir diese Veranstaltung zusammen aufgezogen.
Und warum Soul?
LeNeuf: Bevor ich diese Musik entdeckt hab, hab ich ab und an Punk und Indie aufgelegt. Irgendwann bin ich Zuhause, auf Youtube oder so, zufällig auf diese Soul-Schiene gestoßen und dachte mir so: geil, taugt mir ziemlich. Und wenn mir etwas gefällt, dann such ich weiter. Nach und nach hab ich mir dann hunterte Soul-Platten gekauft. Aber ich weiß noch, die ersten Male gings beim Auflegen öfter mal: Michi, ich hab keine Platten mehr, mach du weiter!
pink mike: Ich hab als Jugendlicher lange nach einer Musikrichtung gesucht, die mir zusagt, und bin dann irgendwann auf 70-er Jahre Disco-Musik gestoßen. Von dort aus gings weiter Richtung Soul. Als ein Kumpel gefragt hat, ob ich in Braunschweig bei einem Soul Allnighter auflegen möchte, hab begonnen, mir Platten zu kaufen. Zu dem Zeitpunkt hab ich nochmal gemerkt, dass Soul eine derart vielfältige Musikrichtung ist, die mir total zusagt – von den Texten, den Melodien und den Liedstrukturen her. Deswegen bin bei Soul geblieben. Dass wir hier und heute Soul auflegen, liegt aber auch daran, dass Techno und House in Bamberg tatsächlich sehr präsent sind. Das merken wir an den Rückmeldungen, die wir während und nach unseren Veranstaltungen bekommen, denn die Leute freuen sich, dass es mal was anderes gibt.
Ihr legt ausschließlich analog mit Schallplatten und Plattensppielern auf. Warum keine Spotify-Playlist und ab ans Glas?
pink mike: Als ich nach Bamberg kam, hab ich viel mit Laptop aufgelegt – Electroswing und House – bin davon aber komplett weg, weil es mich irgendwann nur noch genervt hat. Man kann sich mittlerweile so viel Musik aus dem Internet besorgen – entweder bezahlt oder kostenlos -, dass ich irgendwann überfordert war mit diesem Überangebot. Mit Vinyl habe viel mehr Verbindung zu einem Track. Klar muss man da auch Geld in die Hand nehmen, aber man kauft sich keine 50 Platten auf einmal, sondern vielleicht zwei, drei und hört die dann auch mal richtig durch und überlegt sich, welcher Song wo und wann passt. Für mich war das so ein Aha-Erlebnis, durch das mir das Auflegen heute wesentlich mehr Spaß macht.
LeNeuf: Ich war auch schon immer ein Analog-Fan. Klar hatte ich auch meinen MP3s auf dem Rechner. Aber ich hab schon früh gemerkt, dass ich mir wesentlich mehr Zeit für die Musik nehme, sobald ich eine CD oder Platte einlege, wohingegen am Laptop die Musik eigentlich nur nebenher läuft. Natürlich ist es schön, eine Spotify-Playlist zu haben. Aber wenn man sich intensiv mit Musik beschäftigen möchte, ist analog immer besser.
pink mike: Übrigens! Außerdem ein wichtiger Aspekt: Bis man einen Plattenspieler oder eine Plattennadel schrottet, muss man schon einen ziemlich rabiaten Umgang an den Tag legen. Eigentlich passiert da nichts, wohingegen mir damals der Laptop während des Auflegens öfter einfach abgeschmiert ist, was dann ziemlich ärgerlich ist.

LeNeuf (rechts) und pink mike.

Also ist analog auflegen sogar wesentlich sicherer?
pink mike: Definitiv, weil einfach wesentlich weniger Technik dahinter steht, die du nicht durchsteigen kannst. Der Nachteil ist die Logistik: Ein Laptop wiegt vielleicht zwei Kilo und ein USB-Stick zehn Gramm (lacht). Und um nen ganzen Abend zu spielen – also rund sechs Stunden ungefähr – brauchst du halt entsprechend viele Platten.
Wie viele besitzt ihr denn aktuell?
LeNeuf: Zuhause, 400 bis 500 ungefähr.
pink mike: Joa, so ungefähr. Und das ist noch ne relativ kleine Sammlung.
Und wie viele nehmt ihr mit für einen Abend?
LeNeuf: Gute Frage. Alles, was reinpasst in die Tasche. (lacht)
pink mike: Ich tendiere auch immer dazu, viel zu viel mitzunehmen. Es ist halt eben auch die Herausforderung: Man bestreitet zu zweit einen ganzen Abend und möchte auch eine gewisse Dramaturgie in das Set zu bekommen. Dafür braucht man eben auch eine Auswahl.
LeNeuf: Dazu kommt außerdem, dass wir uns nicht schon vorher vornehmen, was wir abends spielen. Wir wollen auf die Leute reagieren. Wenn man merkt, dass die Tanzfläche leer wird, muss man etwas ändern. Eine große Auswahl ist also gut, um dementsprechend alle Richtungen bedienen zu können, bis dann hoffentlich irgendwas ankommt und die Tanzfläche sich wieder füllt.
Hier in Bamberg habt ihr schon einige Locations bespielt – alle mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Vorzügen. Was sind die Voraussetzungen und Vorzüge im Stilbruch?
LeNeuf: Ihr habt Otto Hübner. Punkt. (lacht)
pink mike: Ja dann füg ich hinzu: Ihr habt Jever. (lacht)
LeNeuf: Nein, man hat hier auf dem Podest das DJ-Pult eine klasse Übersicht und davor eine gerade, große Tanzfläche. Es ist einfach sehr schön aufgebaut und aufgeteilt. Man hat alles im Blick, es zieht die Leute nach vorne zum Tanzen, weil der Barbereich eher weiter hinten im Raum liegt. Und wenn wir auflegen, wollen wir auch, dass die Leute sich bewegen.
pink mike: Also von dem Schatz an Platten, den wir besitzen, spielen wir viele, zwar nicht nur, aber eben viele bekannte Sachen. Tracks, zu denen man tanzen kann. Unser Anspruch ist es schlichtweg, dass ordentlich Bewegung auf der Tanzfläche herrscht. Und das ist hier im Stilbruch möglich.
Was sind eure Aussichten als DJ-Duo für die Zukunft?
LeNeuf: Also Michi ist jetzt weg, in Hamburg, und wir schauen, dass wir in etwa alle zwei Monate in Bamberg eine „Better Call Soul“-Veranstaltung starten.  Außerdem sind wir aktuell auch dabei, das Ganze etwas in die Ferne zu tragen: Wir sind jetzt beispielsweise morgen das zweite Mal in Mainz, im Schick und Schön. Und wir schauen außerdem, ob wir in Hamburg eine Location finden. Das sind so unsere Pläne.
Dann alles gute euch beiden und danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt.

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Interview | Schabesos und der Rosenmontag

Das Rosenmontagskonzert der Schabesos gehört mittlerweile zum Stilbruch wie das Bier zu Bamberg. Vor ihrem Auftritt am 27. Februar haben wir Marcel, einem der musikalischen Köpfe der Band, die in dieser Formation nur einmal im Jahr auf der Bühne steht, ein paar Fragen gestellt:

Stilbruch: „Schabesos“, der Name kommt einem irgendwie spanisch vor?
Marcel Pelikan: Tatsächlich ist „Schabeso“ein alter Begriff aus Bamberg für weißes Limo und stammt von einer Limonade (Chabeso), die auf Basis von Milchsäure produziert wurde. Mein Opa hat mich früher immer gefragt, ob ich ein Chabeso möchte und dann habe ich immer die gute Albrecht Dürrer Perle von der Bamberger Limofabrik Schüller bekommen. Der Name klang auch irgendwie international und deswegen haben wir uns dann dafür entschieden.
Die Band existiert mittlerweile schon rund 15 Jahre – was war die Initialzündung?
Unseren ersten gemeinsamen Auftritt hatten wir 2003 anlässlich eines 50. Geburtstages in einer Flugzeughalle in Mannheim. Gerald, unser Bassist und Gitarrist, wurde gefragt, ob er nicht für die musikalische Untermalung sorgen könnte. Im Stilbruch hat Gerald dann aus einer Bierlaune heraus Jochen, der später von Michel abgelöst wurde, und Manu gefragt, ob sie nicht Lust hätten mitzumachen. Da ich mit Gerald schon in einer anderen Band, den Napkin Rash, Musik gemacht hatte, wurde ich später auch noch engagiert. Der damals 12 jährige Sohn von Jochen – Michi –  vervollständigte die Band als Schlagzeuger und Bekki kam später außerdem mit ihrer Geige dazu. Der erste Auftritt war damals dann doch sehr dilettantisch und die Kaffeemaschine hat immer die Sicherung raus gehauen. Aber das Publikum war trotzdem sehr euphorisch.
Und wie seid ihr damals im Stilbruch gelandet?
Wir waren und sind quasi Stammgäste. Unseren ersten Auftritt im Stilbruch hatten wir dann 2004 –  wieder bei einem 50. Geburtstag, bei dem dann auch Heiko Cookie zu uns gestoßen sind. Und ein Jahr später, 2005, wurden wir dann zum ersten mal von Steve für den Stilbruch am Rosenmontag  gebucht.
Welche Musik hat es euch besonders angetan?
Musikalisch sind wir so bunt wie unsere Mitglieder. Jeder macht Vorschläge, wir überlegen, wie und ob wir diese Songs umsetzen können und wer welchen Part übernimmt. Insgesamt sind wir aber sehr gittarenlastig und laut. Das wichtigste ist aber, dass es uns Spaß macht und wir unsere Spielfreude auch dem Publikum vermitteln können. 
Und was veranlasst euch seit so vielen Jahren, am Rosenmontag immer wieder dieses Konzert zu spielen – mittlerweile dann schon zum 12. Mal?
Es ist einfach eine saucoole Party. Es kommen immer viele Leute, wir sind eigentlich immer ausverkauft, und irgendwie haben wir es bisher immer geschafft, die Leute mitzureißen.
Den Song „Wild Thing“ von The Troggs spielt und interpretiert ihr in jedem Jahr immer wieder neu.  Auf was dürfen wir uns diesmal freuen?
„Wild Thing“ ist tatsächlich das einzige Lied , das wir vorher nie Proben. Es wir nur kurz abgesprochen wer wann sein Solo spielt, dann geht’s los. Also jedes Jahr eine Art „Überraschungsei“, und das wird es dieses Jahr auch. Also Abwarten!
Danke, Marcel, dass Du Dir die Zeit genommen hast!


Bandprofil – Schabesos
Gegründet:
August 2002
Genre:

Rockmusik
Mitglieder: 
Mazl Schabeso (Gesang, Mundharmonika)
Manu Schabeso (Gesang)
Cookie Schabeso (Gesang, Schlagwerk) 
Gerald Schabeso (Gitarre, Gesang, Bass)
Heiko Schabeso (Gitarre, Gesang)
Michi Schabeso (Trommeln & Becken)
Bekki Schabeso (Geige)
Michel Schabeso (Bass)

http://www.schabesos.de/


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Interview | Charlotte

Endlich, nämlich am 23. Dezember, stehen sie wieder auf unserer Bühne – die drei adretten Herren mit unterschiedlich starkem Bartwuchs. Ein kleines vorweihnachtliches Wunder, denn seit dem letzten Auftritt im Frühjahr 2015 ist einige Zeit ins Land gegangen. Also haben wir uns entschlossen, M. Monaco, Bergmann Bergmann und Professor Commander 3000 von Charlotte vorab ein paar Fragen zu stellen:

STILBRUCH: Wisst ihr mittlerweile, wer das alles essen soll?
Bergmann Bergmann: Der Albumtitel „Wer Soll Das Alles Essen?“ ist keineswegs eine rhetorische Frage, sondern war viel mehr unser Gedanke gewesen, als wir bei Familie Monaco zum Essen eingeladen waren und Mama Monaco offenbar vergessen hatte, dass wir lediglich ein Trio sind und nicht M. Monacos Fußballmannschaft.
Vor kurzem habt ihr euren neuen Song „Kimono“ und das dazugehörige Video in den sozialen Netzwerken vorgestellt – wann folgt denn das nächste Album?
M. Monaco: Nun ja, wir haben ja eigentlich erst im letzten Jahr ein Album veröffentlicht. Jetzt verdaut doch erstmal das! Aber im Ernst: Wir haben schon wieder sehr feine neue Songs geschrieben – einer davon handelt schon wieder von Essen! Denn anders als Frauen ist Essen immer dein Freund und kann dir nicht weh tun. Aber es gibt Überlegungen, eventuell eine EP zu produzieren, auf der dann auch „Kimono“ drauf sein soll.
Was fasziniert euch so an dem Thema Frauen, Herzschmerz und Beziehung – siehe auch den neuen Song Kimono – so sehr, dass ihr es in euren Liedern immer wieder aufgreift und besingt?
Bergmann Bergmann: Der Philosoph, Ethnobotaniker und Schlagersänger Ignaz Hirnbeißer hat einmal gesagt: „Ein Lied, das nicht von der Liebe handelt, ist es nicht wert überhaupt gesungen zu werden.“ Da hat er Recht. Ich ergänze: Lieder über Essen. Aber das sind ja auch irgendwie Lieder über Liebe.
Euer Sound kommt mit drei Instrumenten – Bass, Gitarre und Schlagzeug – aus. Was macht ihn trotz dieses Minimalismus so eingängig und variantenreich?
Bergmann Bergmann: Jahrzehntelang war das Charlotte-Motto ja „Ohne Proben nach oben!“. Wir haben also versucht, uns auf unserem vermeintlich charmanten Dilettantismus auszuruhen. Dann kam Professor Commander Tom 3000 in die Band. Jetzt ist vieles anders. M. Monaco und ich sind zwar nach wie vor extreme Dilettanten, aber der Professor hat uns mit seinen enormen Skillz in eine naise Kapelle verwandelt, so vong Groove her.
Ende Oktober habt ihr mit „Von Wegen Lisbeth“, einer Band, die gerade deutschlandweit am Durchstarten ist, einen Gig in Würzburg gespielt. Wie kam’s dazu?
Bergmann Bergmann: Die Lisbeths machen das eigentlich nur aus Schuldgefühlen uns gegenüber. Als sie 2014 nach einem Gig im Sound ’n‘ Arts bei mir übernachtet haben, war meine WG weitgehend verwüstet. Ich musste den Zugang in meine Schlafzimmer erst freisägen. Und so kommt es eben, dass sie uns ab und an als Support spielen lassen. Und ja: Wir gedenken weiterhin, ihr schlechtes Gewissen schamlos auszunutzen!
Wo seht ihr Charlottes Zukunft?
M. Monaco: Charlotte ist jetzt 14 Jahre alt. Eine pubertierende Göre, schrecklich! Ich denke, wenn sich ihr Hormonhaushalt etwas eingependelt hat, so mit 17, also im Jahre 2019, wird es soweit sein: Dann kommt der Durchbruch!
Prof Commander 3000: Wir machen das ja auch der Frauen wegen. Meine Mama kommt zum Beispiel ab und zu zum Konzert.
Am 23. Dezember spielt ihr bei Nimm2 im Stilbruch. Was ist euer persönlicher Bezug zu Nimm2 und wie kam’s dazu?
Bergmann Bergmann: Toll, dass Nimm2 eine Heimat im Stilbruch gefunden hat! Dennoch werde ich ganz nostalgisch, denke an die Zeiten im Morphclub. Aber eigentlich kann ich mich gar nicht richtig erinnern, ich war ja immer so betrunken. Na, also gut: Bei Nimm2 sind immer viele Mädels, das gefällt uns. Und wenn wir dann auch noch auf der Bühne stehen dürfen, haben wir einfach den besseren Überblick.
Prof Commander 3000: Die Musik, die Max bei Nimm2 spielt, sagt mir sehr zu, außerdem bin ich immer für ne gute Party mit guten Leuten zu haben und da komm ich bei Nimm2 eigentlich immer auf meine Kosten. Außerdem finde ich es cool, dass das alte Konzept (Band + DJ) wieder auflebt und wir den Jahresabschluss darstellen.
Wichtelt ihr zu Weihnachten untereinander oder verdient ihr als Bamberger Indie-Sternchen mit der Band so viel, dass jeder jedem etwas schenkt?
Bergmann Bergmann: Was schenkt man Bandkollegen, die schon alles haben? Ich habe lange in meinem vergoldeten Jacuzzi über eben jene Frage nachgedacht und konnte auch nach einem ausgewogenen Champagner-Kaviar Frühstück keine befriedigende Antwort finden. Vielleicht fällt mir beim Schwimmen in meinem Geldspeicher noch etwas ein, aber wir müssen auch weiter, meine Rolex sagt, es ist schon kurz vor Siemens und die Fahrer unserer Rolls Royce wartet nicht so gerne.
Okay, letzte Frage: Welche Frage wurde euch als Band noch nicht gestellt und was ist die Antwort darauf?
Professor Commander 3000: Als Band hat uns bisher keiner gefragt: „Kann ich noch einen Rollmops haben?“ Die Antwort wäre natürlich „Passierschein A38!“
Danke!

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Interview | Dom Waits – Hessisch House

Dominik Heller aka Dom Waits, ehemaliger Bamberger jetzt Mainzer, macht Urlaub und schaut dabei gemeinsam mit Dominique Ebert aka Trycatch mal wieder in der Bierstadt vorbei. Mit im Gepäck: seine Plattensammlung. Wir haben ihm vor seinem Auftritt am 22. Oktober im Stilbruch ein paar Fragen gestellt.

Stilbruch: Wie kam’s zur ersten Ei, Gude Beats Party im vergangenen Sommer?
Dom Waits: In erster Linie ist die Idee aus der Erkenntnis entstanden, dass es nirgendwo in Bamberg Äppler (Apfelwein) gibt. Und bei dem Gedanken war der in Frankfurt gewachsene Techno nicht mehr weit. Der Name der Veranstaltung ist ein Wortspiel von „Ei, Gude wie?“ was im Hessischen vereinfacht „Hallo, wie geht’s dir?“
Das heißt ihr spielt ausschließlich Techno aus Hessen?
Nein. Darauf wollen wir uns nicht beschränken und dafür sind unsere Interessen in der elektronischen Tanzmusik auch zu weit gefächert. Wir spielen unsere aktuellen Sets und dazu Perlen, die wir persönlich mit der Zeit, in der wir regelmäßig in Frankfurt unterwegs waren, in Verbindung bringen.
Zum Beispiel?
Einer der ersten Songs, die wir immer wieder gehört haben war die Amelie von Butch – auch Mainzer, immerhin – im Format B Remix. Zu der Zeit waren wir auch stark auf Booka Shade unterwegs, einer von den beiden aus Frankfurt. Die werden wir bestimmt auch am Samstag spielen. Da haben wir auch Auswahl: In White Rooms, Mandarine Girl oder Body Language sind ja alles Hymnen.Und natürlich auch irgendwas von Sven Väth und den ganzen Cocoon Leuten.Als wir angefangen haben uns für Techno (Überbegriff für House und alle Elektronische Tanzmusik) zu interessieren gab es nur wenige Mitschnitte im Internet, keine aufgenommenen Livesets oder Techno-Podcasts. Wir hatten die Clubnight, eine Radiosendung auf YouFM (früher HR3) bei der Freitag und Samstag Nacht nur House und Techno lief, DJs zum Talk eingeladen wurden und man Ausgehtipps bekam.
Und dann gab es noch die Sampler: House Club Hottest, Sven Väths Seasons, die Disco Boys… etc.
In Bamberg ist ja in den letzten Jahren ne relativ große Techno und Deephouse-Szene entstanden – dazu gehören Hainsein, Selva oder Rauschkollektiv. Grenzt ihr euch davon ab? Was sind Gemeinsamkeiten, was Unterschiede?
Es gibt einige Leute die in elektronischer Tanzmusik keine Unterschiede erkennen. Da werden Paul van Dyk und Daft Punk in einen Topf geworfen weil beides elektrisch und tanzbar ist. Die Unterschiede zu den etablierten Bamberger Kollektiven sind teilweise deutlich, teilweise aber nur in Nuancen zu finden. Ich mag die Musik, die in Bamberg läuft: Besonders Hainsein hat mir immer gut gefallen. Allerdings ist unser Sound eventuell etwas zugänglicher und kommt aus einer anderen Richtung. Ich will nicht sagen sanfter, aber das kann schon sein. Wir mögen beide schöne Stimmen und finden, dass sich das nicht mit einem knackigen Beat beißen muss. Die Kollektive spielen meiner Meinung nach wenig Deep House, sondern wirklich eher Techno. Deep House ist langsamer, oft mit klassischen Synthesizern und echten Instrumenten untersetzt. Techno ist deutlich elektronischer und eben auch härter. Dass wir uns auf Deep House eingeschossen haben, liegt ein bisschen daran, dass wir gerne in Bars auflegen. Die Leute tanzen zwar seltener, aber haben deshalb trotzdem keinen schlechten Abend. Wir werden für unseren Sound gelobt, kommen mit den Leuten ins Gespräch und schaffen dabei eine gewisse Atmosphäre.

Ei, Gude Beats!

Warum die Tour und warum der Stilbruch?
Die Tour ist uns eine Herzensangelegenheit. Die Zeit in Bamberg war für mich sehr schön, auch wenn ich damals aus beruflichen Gründen wegziehen musste. Und ich möchte auf keinen Fall den Kontakt zu der Stadt verlieren. Es macht uns großen Spaß dort aufzulegen. Die Leute gehen mit, sind begeistert und lassen sich nicht vom Tanzen abhalten. Und dann wäre da natürlich noch das Bier. Wir möchten den Trip halbjährlich wiederholen und hoffen, es klappt alles. Der Stilbruch steht dabei im Mittelpunkt unseres kleinen Abenteuers. Hier haben wir alle Möglichkeiten. Die Anlage ist stark, die Mitarbeiter sind voll dabei und geben sich viel Mühe, dass wir alle zusammen eine gute Zeit haben.
Und die Holzdielen der Tanzfläche erinnert uns immer an das Robert Johnson in Offenbach. Ein bisschen Nostalgie schwingt da schon mit.
Danke für das Interview.

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Interview | Simeon Soul Charger – Farewell Tour

Man könnte meinen, sie wären direkt von der Bühne des Woodstock-Festivals durch die Zeit ins hier und jetzt gereist: Simeon Soul Charger. Die Band befindet sich aktuell auf großer Abschiedstour durch ganz Europa. Denn Simeon Soul Charger gibt es bald nicht mehr. Am 14. Oktober treten sie ein letzten Mal im Stilbruch auf. Wir haben vorab ein Interview mit ihnen geführt, um die Beweggründe für die Trennung  – und natürlich auch vieles mehr für euch in Erfahrung zu bringen.

Stilbruch: Vor einigen Jahren hat es euch aus Akron, Ohio, nach Deutschland verschlagen. Was war der Grund für diesen Schritt?
Simeon Soul Charger (Spider: Bassist): Damals hätte es uns tatsächlich überall hin verschlagen können. Wir waren an dem Punkt angelangt, an dem wir uns entscheiden mussten, wohin wir gehen, wo wir als Band weiter wachsen möchten. Die eigentliche Idee war damals, in Richtung Westen der USA aufzubrechen und dort die Fanbase zu vergrößern. Allerdings kam dann das Angebot, nach Europa zu gehen für eine dreimonatige Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Damals dachten wir: „Lasst uns das machen und wenn wir zurückkommen, starten wir ‘ne große US-Tour.“ Die Tour durch Europa war dann so erfolgreich, dass wir unseren Aufenthalt hier etwas verlängert haben –  und heute –  sechs Jahre älter und klüger –  sind wir immer noch hier.
Vermissen euch eure Fans in den Staaten nicht schon?
Ich bin mir sicher, dass wir ohne den Erfolg als Band hier in Europa gemeinsam in die USA zurückgekehrt wären. Aber zum Glück sind unsere Fans in der Heimat so treu. Die haben uns buchstäblich die Stange gehalten und immer geduldig darauf gewartet, dass wir für ein paar Auftritte zurück in die Staaten kommen.
Ich habe gelesen, dass ihr für einige Zeit auf einem Bauernhof in Bayern gelebt habt. Wie kam es dazu?
Also, um genau zu sein, war es ein Bauernhaus auf einem Hof, der nicht mehr in Betrieb war. Wir haben damals für die dreimonatige Tour durch Europa einen Ort gesucht, an dem man acht Amerikaner, ok, sagen wir acht laute Amerikaner, die für ihre Tour proben mussten, für eine Weile unterbringen kann. Unser damaliger Manager hat uns dieses Bauernhaus organisiert. In dem haben wir dann mehrere Jahre gelebt – die mitunter lustigste und aufschlussreichste Zeit unseres Lebens.
Ich nehme an, dass ihr in dieser Zeit den typisch bajuwarischen Lifestyle – und all die Vorurteile, die man aus den Staaten so mit sich bringt – kennengelernt habt?
Komischerweise hat sich unsere Lebensweise in dieser Zeit kaum verändert. Wir haben seit März 2011 – dem Zeitpunkt, als wir nach Deutschland kamen – rund 600 Konzerte und Festivals in 16 Ländern gespielt. Was das betrifft waren wir also mindestens genauso lange auf Tour wie in Bayern oder sogar in Deutschland. Aber wenn man in einem kleinen Dorf lebt, um einen herum so viele Einheimische und deren Kultur, natürlich übernimmt man da etwas von der Sprache, Ausdrücke, Essen, Musik und so weiter. Aber wir sind immer noch dieselben Musiker, die damals 2011 aus dem Flugzeug gestiegen sind – wir haben nur unseren Akzent verloren (lacht). Und was die Vorurteile betrifft, die bei uns in den Medien von den Deutschen gezeichnet werden, die könnten falscher nicht sein. Die Deutschen gehören zu den warmherzigsten Menschen der Welt.
War die Farm ein guter Ort, um neue Songs zu schreiben, also um kreativ zu sein?
Absolut! Wir hatten nur einen wirklichen Nachbarn und der tolerierte es, wenn wir laut waren und spät nachts nach Hause kamen, nachdem wir zwei Wochen auf Tour unterwegs waren. Wir hatten tatsächlich beinahe keinerlei Einschränkungen, was unser Tun und unsere Lautstärke betraf. Dementsprechend waren die Möglichkeiten schier grenzenlos.
Wie du vorhin erwähnt hast, seid ihr durch unzählige Städte Europas getourt. Was ist am Touren so besonders, dass ihr es derart häufig und kontinuierlich gemacht habt?
Um Yogi Lang, einen der Bosse unseres Labels, zu zitieren: „Wir müssen den Motor am Laufen halten“ (lacht). Nein, wir haben schlichtweg gemerkt, dass wir unsere Fans besser erreichen, wenn die uns live sehen. Wir haben das Glück, dass sowieso schon viele Menschen unsere Platte im Laden kaufen, aber auf Live Shows verkaufen wir einfach zehnmal so viele. Aber letztendlich macht man als Musiker auf Tour auch einfach das, was man liebt: Musik. Und wenn man erst mal damit seinen Lebensunterhalt verdienen möchte, macht dieser Teil des Musikerdaseins komischerweise eigentlich nur noch einen relativ geringen Anteil am Job aus. Auch deshalb haben wir mit dem Touren nie aufgehört – so lange, bis wir  selber bereit waren, das zu beenden. Darauf sind wir stolz, denn das können tatsächlich nicht viele Bands von sich behaupten. Außerdem haben wir all unsere Konzerte nur mit Hilfe verschiedenen Manager, befreundeter Bands und guter Freunde quasi von Grund auf selber organisiert.
Was war der schrägste Moment, den ihr als Band auf Tour erlebt habt?
Es ist so lustig, wenn Leute diese Frage stellen, denn nach all den Jahren, in denen wir unterwegs waren und auf den unterschiedlichsten Bühnen standen, fange ich wirklich an, mir die Frage zu stellen, was schräg ist und was nicht (lacht). Aber wir haben tatsächlich alles gesehen: Einmal hatten wir eine Panne inmitten der unwirklichsten Provinz Rumäniens – um uns herum Häuser mit zerbrochenen Fenstern und Rudel streunender Hunde. Dort nahm uns dann ein verschrobener LKW-Fahrer mit, der weder Englisch noch Deutsch sprach. Also sangen wir rund 20 Minuten „Barbara Ann“ von den Beach Boys in der Hoffnung, dass der LKW-Fahrer uns nicht umbringen würde. Aber es stellte sich raus, dass er ein netter Kerl war (lacht). Ein anderes Mal – das war auf einem großen Festival – da sprang eine Frau mit nur einem Arm auf die Bühne und zog sich vor Aaron aus,  während der gerade einen Song sang. Es gab schon viele schräge Erlebnisse.

Simeon Soul Charger Abschiedstour

Du hast es vorhin bereits angedeutet. Das Simeon Soul Charger lösen sich nach dieser Abschiedstour auf. Es gibt jede Menge enttäuschter Fans, die gerne die Gründe dafür erfahren würden.
Alles hat einen Anfang und ein Ende. Einige Bandmitglieder sehen die Musik und das ständige Touren nicht mehr als ihren Lebensweg. Sie wollen andere Dinge verfolgen, die nichts mit Musik zu tun haben, nebenbei aber immer noch Zeit dafür haben, die Musik so auszuleben, wie sie es möchten. Falls das alles zu schwer zu übersetzen ist, schreib einfach, dass ich ins Gefängnis muss, weil ich Kokain verkauft habe. Das lässt mich hart aussehen (lacht).
Klingt nach einem netten Nebenerwerb auch für die Zeit nach Simeon Soul Charger (lacht). Aber was ist denn der wirkliche Plan für vier Leute deren Leben quasi die Musik ist?
Also für diejenigen aus der Band, die weiterhin bei der Musik bleiben, werden Einzelheiten noch bekanntgegeben. Mehr kann ich zum aktuellen Zeitpunkt leider noch nicht verkünden.
Also das hört sich eher nicht so an, als gäbe es noch die Chance, dass ihr vier irgendwann in naher Zukunft wieder zusammen findet?
Wenn es eines ist, das ich gelernt habe, dann dass nichts sicher ist (lacht). Aber so, wie sich derzeit in der Band die unterschiedlichen Wege abzeichnen, glaube ich persönlich, dass sich unsere vier Wege – musikalisch – nicht wieder kreuzen werden. Aber was weiß ich schon, ich bin nur ein Bassist.
Vielen Dank für das Interview!

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Interview | „Rock Class“ Frontmann Tim Jäger

Tim Jäger, 36, Berufsmusiker aus dem kleinen Städtchen Marktheidenfeld nahe Würzburg. Als Gitarrist und Frontmann der Band „Rock Class“ tritt er morgen, Freitag  22. Juli, gemeinsam mit seinen drei Bandkollegen Tobias Pawlick (Bass), Xaver Hauck (Drums) und Krister Kunde (Keys) im Stilbruch auf. Wir haben ihm vorab ein paar Fragen gestellt.

Stilbruch: Du bist Berufsmusiker, gibst Musikunterricht und  bist außerdem Kopf der Band „Rock Class“. Bedeutet das unter der Woche den Jungmusikern mit dem Taktstock auf die Finger und am Wochenende ‚on Stage‘ ordentlich auf den Putz hauen?
Tim Jäger: Ja das könnte man so sagen, aber ganz so schlimm ist es dann doch nicht. Ich unterrichte auch viele ältere Menschen. Die Spanne geht von jung bis alt. Musik ist eben keine Frage des alters sondern der Motivation und wichtig ist, dass man Spaß an der Sache hat. Natürlich bin ich auch jedes Wochenende auf den Bühnen der Republik unterwegs. Diese Mischung ist zwar anstrengend, macht aber auch Spaß.
Verlief der Weg zum Berufsmusiker linear oder gab’s Umwege?
Musik hat mich schon immer begeistert. Ich hab meine Musikkarriere im zarten alter von 8 Jahren begonnen und mit 12 Jahren hab ich in der ersten Band gespielt. Irgendwann hat es sich dann abgezeichnet, dass ich doch professionell Musik machen möchte und hab ein Jazz-Studium in Frankfurt begonnen.
Und wie  habt ihr als Band zueinander gefunden?
Wir haben uns im Studium kennengelernt. Wir haben eigentlich als Trio angefangen, aber von der original Besetzung sind nur noch unser Bassist und ich übrig.
„Rock Class“, dem Namen nach könnte man vermuten, dass ihr das Genre des Classic-Rock bedient. Aber weil das aber zu einfach wäre, ist  dem, laut Deiner Aussage, mitnichten so. Wo kann man euch einordnen?
Der Name ist im Studium entstanden, wir haben uns gedacht, wir machen neben dem Jazz noch eine Rock Klasse, deswegen „Rock Class“ auf. Der Name hat eigentlich nichts mit dem eigentlichen Classic Rock zu tun. Das Genre betreffend sind wir eher im Blues Rock verwurzelt. Also richtig erdige, ehrliche Musik mit Ausstrahlung.
Den Großteil der Songs schreibst Du. Euer Titel „Smalltown Boy“ besingt das Leben eines Kleinstadtmusikers, der den Schritt in die Großstadt bzw. die große weite Musikwelt wagt. Autobiographisch oder Wunschvorstellung?
Ich würde sagen es ist etwas allgemeiner angelegt. Damit könnte man ja jeden Musiker beschreiben, der den Traum hat in die große Stadt zu gehen und erfolgreich zu werden.
Ihr kommt aus Marktheidenfeld, das weit hinter Würzburg liegt. In Bamberg tretet ihr aber auch häufiger auf. Was zieht euch immer wieder hier her? Bier? Menschen? Oder doch das viele Geld?
Uns gefällt besonders die einmalige Kneipenatmosphäre, die Menschen und natürlich das gute Bier. Es ist wirklich immer toll in Bamberg zu spielen und wir freuen uns natürlich auf morgen im Stilbruch. Da wir unplugged spielen, haben wir auch einige Songs im Gepäck, die wir sonst nicht spielen. Aber „Smalltown Boy“ ist auf jeden Fall auch dabei.
Spezial-Rauchbier oder Schlenkerla? 
Ich muss leider sagen, beide schmecken mir nicht wirklich. Aber dafür gibt’s im Stilbruch ja jede Menge anderer leckere Biersorten.
Stimmt, verdursten wirst Du morgen also glücklicherweise nicht! Vielen Dank, Tim Jäger, dass Du Dir die Zeit genommen hast.

Foto: Gareth Tynan

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Franken-Tatort mit Stil(i)

Er spielt den Pathologen Lutz Kranich im zweiten Franken-Tatort „Das Recht, sich zu sorgen“, der am kommenden Sonntag – auch im Stilbruch – Premiere feiert, hat bereits ein Schauspielstudium in Freiburg und zahlreiche Engagements – u.a. an der Badischen Landesbühne Bruchsal, am Theater Neustrelitz und am Thüringer Landestheater Rudolstadt – hinter sich, studiert heute Psychologie in Bamberg und sorgt im Stilbruch, wo er als Koch und Barkeeper sein Taschengeld aufbessert, dafür, dass ihr weder verhungern noch verdursten müsst. Sein Name: Benjamin Griebel. Seine Markenzeichen: makelloses Hochdeutsch und feinherbes Pils. Aber nein, er stammt nicht aus dem hohen Norden, sondern aus Unterfranken. Wir haben Benjamin ein paar Fragen gestellt.

Stilbruch: Die wichtigsten Fragen zuerst: Hättest du lieber ein Skalpell in der Küche oder ein Küchenmesser bei der Obduktion?
Benjamin: Beides ist irgendwie falsch. Also, nicht ganz falsch, mit dem Skalpell kann man in der Küche arbeiten. Man braucht halt viel Zeit. Ich steh auch auf große Küchenmesser, weil man damit schnell und gut arbeiten kann, aber für eine Obduktion wär’s wahrscheinlich einfach ein zu großes Werkzeug.
Würdest du lieber einen oscarreifen Hollywoodfilm mit Til Schweiger drehen oder in einem Rosamunde Pilcher Quotenhit mit Wayne Carpendale mitspielen?
Ich freu mich auf beides (lacht). Ich bin auch total froh, dass nächstes Jahr beides stattfindet.
Würdest du lieber – wenn er noch auf Sendung wäre – bei Gottschalk auf der Gäste-Couch sitzen oder Nina Hagen auf deinem Sofa therapieren?
Gottschalk, die Antwort ist Gottschalk!
Warum das?
Weil ich der größte Gottschalk-Fan bin. Der ist einfach so spannend, unkorrekt, chauvinistisch, aber immer ehrlich mit seinen Gästen und er lässt nie jemanden ins Messer laufen. Er war für mich einer der letzten großen Unterhalter, deswegen bin ich traurig, dass er’s nicht mehr macht. Deswegen Gottschalk.
Theaterbühne oder Filmset?
Na ja, das eine kenn ich schon länger, das andere ist eher neu. Es gibt viele parallelen, beides ist spannend, beides ist frustrierend.
Warum frustrierend?
Frustrierend, weil es quasi immer nur damit zu tun hat, dass du versuchst, dich einem Idealzustand anzunähern, ohne dass du diesen Idealzustand jemals erreichst. Das heißt, es birgt immer ein gewisses Frustrationspotential, sowohl auf der Bühne als auch beim Film. Ich finde aber beides spannend und schön.
Etwas Grundlegendes: Warum hast du dich damals entschieden, im Anschluss an dein Schauspiel-Studium zusätzlich Psychologie zu studieren?
Für mich hat es sich irgendwann verdichtet auf Psychologie oder Medizin. Beides hat mit Menschen zu tun, beides ergründet, wie der Mensch funktioniert. Psychologie ist letztendlich noch näher – also kernmäßig  – an dem, was mich sowieso interessiert und was mich an Schauspiel schon immer fasziniert hat: die Fragen, warum wir Menschen so sind, wie wir sind, was uns ausmacht, was uns unterscheidet und warum wir in spezifischen Situationen spezifische Entscheidungen treffen. Und Psychologie ist im Grunde die Wissenschaft dazu.
Und warum fiel die Entscheidung auf Bamberg?
Dadurch, dass meine Freundin und ich unendlich viele Wartesemester hatten, wir beide zusammenleben und unterschiedliche Sachen studieren wollten – das am besten in einer Stadt, die schön, angenehm, nicht zu groß und nicht zu klein ist und außerdem gute Studienbedingungen aufweist –  haben wir uns damals für Bamberg entschieden. Und bisher haben wir es noch keine Sekunde bereut.
Einen Schritt weiter: Wie bist du an die Rolle des Pathologen Lutz Kranich im Franken-Tatort gekommen?
Ich bediene da wahrscheinlich eine Schnittmenge zwischen Native Speaker „Frange“ und Schauspieler. Und meine Einschätzung ist die, dass die Caster einfach mal nach Leuten, auf die das zutrifft, gesucht haben, sie gegoogelt haben. Von denen wurden dann einige zum Casting für den ersten Franken-Tatort eingeladen –  auch ich. Das ist damals auch ziemlich gut gelaufen, entschieden haben sie sich aber für zwei andere Schauspieler. Jetzt, beim zweiten Franken-Tatort, haben sie sich scheinbar wieder an mich erinnert und sich bei mir gemeldet. Einfluss auf die endgültigen Entscheidungsprozesse hat man aber als Schauspieler – außer durch das Casting –  keinen.
Was war dein erstes Gefühl, als du wusstest, du hast die Rolle?
Irritation, da ich nicht damit gerechnet habe. Man muss wissen, das Regie- und Produktionsteam wechselt bei jedem Tatort – neue Regie, neue Kamera, neuer künstlerischer Stab. Das neue Team kannte mich also nicht. Deswegen hätte ich vermutet, dass sie mich nochmal sehen wollen, bevor sie mir diese Rolle geben. Aber anscheinend haben die Aufzeichnungen des ersten Castings gereicht. Und ja, danach Freude und Angst, wie bei allem im Leben.
Der Otto Normalverbrauchen würde an dieser Stelle eigentlich sagen: „Der spielt im Tatort mit, der muss ausgesorgt haben!“ Was ist deine Antwort?
Es ist eine kleine – eine sehr schöne -, aber eben eine kleine Rolle. Trotzdem, Tatort ist natürlich wunderschön, weil es eine so positive Resonanz gibt und weil einen so viele Leute sehen. Ob das aber so weiter geht und ob meine Rolle jetzt aussagekräftig genug ist, um zu sagen „Leck mich am Arsch, der hat ja mega was auf dem Kasten. Wo war der die ganze Zeit?“, das ist eher unwahrscheinlich. Ich sehe das Ganze erstmal als schönen Ausflug. Aber ob das dann so weitergeht, das ist von so vielen Faktoren abhängig, die ich nicht selbst in der Hand habe. Ausgesorgt hat man damit aber absolut nicht.
Hast du dich auf die Rolle vorbereitet?
Klar. Man trifft sich mit dem Regisseur und tauscht sich über die Figur aus, dann stellt man sich alle möglichen Fragen, wie zum Beispiel : Was ist dieser Lutz Kranich überhaupt so für ein Typ? Auch Dinge, die im Film selber gar nicht erzählt werden, bespricht man: Wo wohnt er? Bei seiner Mutter? Alleine? Ist er von seiner Freundin verlassen worden? Warum ist er in bestimmten Situationen unglücklich? Wie ist er in der Schule behandelt worden? War er ein Außenseiter oder eher ein Mitläufer? Trinkt er gerne Bier? Isst er gerne Fleisch? Ist er Sinnlich? Letztendlich hilft jede Beschäftigung mit der Rolle, um sie besser zu verstehen.
Wie würdest du Lutz Kranich in einem Satz beschreiben?
Er ist der untypische fränkische Grantler. Ehrlich und ein schräger Vogel, der anders handelt, als es die Norm vorschreibt.
Wie war es für dich, bei der Premiere des Tatorts das erste Mal das Gesamtwerk betrachten zu können?
Also für mich ist vor allem der ganze Kontext neu: viele Fotografen, viele wichtige Leute. Ich bin da ja ein extrem kleines Licht, deswegen ist es spannend, die Kollegen zu beobachten, die das alles kennen und wissen, wie das geht. Die gehen deutlich souveräner mit dem Ganzen um als ich. Und selber den Film anzuschauen, das ist, wie seine eigene Stimme zu hören. Also mir war vorher schon klar, dass ich mich selber sowieso blöd finde, insofern war das in Ordnung (lacht). Abgesehen davon ist der Film wahnsinnig toll geworden und ich freue mich, dass ich dabei bin.
Wo schaust du kommenden Sonntag den Tatort?
Hier im Stilbruch. Glücklicherweise darf ich aus der Küche raus.
Ich hoffe, du hast reserviert?
Hab die letzten zwei Karten.
Und wann gibt’s die erste Autogrammstunde?
Falls dann noch jemand eins will und das, was ich unterschreibe, keine Lebensversicherung ist – gerne. Ich bezweifle aber, dass jemand eines möchte (lacht).

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Interview | King Kong Kicks

Sie sind die große Konstante in der Indie-Szene, zählen deutschlandweit zu den bedeutendsten Indie-,Pop- und Electro-Partys, spielen ihre Sets auf Festivals wie dem Melt, in Clubs in Berlin, Hamburg oder Stuttgart und bringen seit Jahren ihre eigene Compilation heraus, auf die sie ein Destillat der besten Floorfiller des Jahres packen: King Kong Kicks. 2003 gegründet als King Kong Klub, wütet die Gruppe mehr oder weniger junger Indie DJs seit 2009 als King Kong Kicks durch 16 Städte und deren Club-Szene. Für diejenigen, die den großen Affen noch nicht kennen, haben wir vor dem ersten Auftritt im Stilbruch am 27. März 2016 ein Interview:

Wenn ich mich recht entsinne, habt ihr schon einmal in Bamberg aufgelegt, zur Feier des 5-jährigen Bestehens des Morph Clubs – kurz bevor dieser jedoch seine Tore schließen musste. Damals hat auch Bambergs bekannteste Indie-Party – Nimm2 – mit dem Gedanken gespielt, die Platten an den Nagel zu hängen, und ich erinnere mich, dass mein Mittbewohner – seines Zeichens  Indie-/Alternative-Dogmatiker – in einem Zustand von Trauer und Wut an eure Pinnwand geschrieben hat, dass ihr seine letzte Hoffnung seid und ob ihr denn wieder nach Bamberg kommt. Das ist jetzt rund anderthalb Jahre her. Warum hat’s so lange gedauert? Was hat euch so lange aufgehalten?
King Kong Kicks (Gabriel Bajcic): Dass der Morph Club schließen musste traf uns sehr und es hat seine Zeit der emotionalen Verarbeitung gebraucht. Mal im Ernst… Wenn ein Club schließt, ist das immer sehr schade. Ein Problem ist natürlich, dass wir in den vielen Städten, in denen wir regelmäßig zu Gast sind, eben nur Gast sind und man nicht einfach beim Nachbarn klingelt, weil die letzte Beziehung beendet werden musste. Wir haben nun aber kürzlich eine Nachricht eines alten Stammgastes (vielleicht dein Mitbewohner?!) erhalten mit der Bitte, wieder was in Bamberg zu machen. Von ihm kann dann auch der Vorschlag, den Stilbruch anzuschreiben. In diesem Fall haben wir uns also verkuppeln lassen und jetzt sind wir natürlich gespannt auf das erste Date. Ein bisschen kribbelt es ja schon.

King Kong Kicks in Essen. (Foto: King Kong Kicks)

Mit der Reihe King Kong Kicks seid ihr in Clubs  in 16 verschiedenen Großstädten Deutschlands unterwegs und legt auch auf Festivals auf. Warum ist es damals die möglicherweise etwas verschlafene Kleinstadt Bamberg geworden,  warum der „Relaunch“ 2016  und warum im Stilbruch?
Besonders wohl fühlen wir uns in studentischen Szeneclubs. Natürlich liegen da die Großstädte sehr nah. Nichts desto trotz geht es am Ende des Tages um eine schöne Nacht mit interessanten Menschen, die einfach Bock auf Musik haben, sich auch mal fallenlassen können und gern auch morgens mit uns den Club abschließen. In Bamberg gibt es eine gute Indie-Szene und – wenn ich mich recht entsinne – eben diese Menschen, mit denen wir gern feiern. Der Stilbruch ist ein Laden, der kulturell einiges zu bieten hat und bei dem die Lust auf Musik absolut im Vordergrund steht, was uns bei der Partnerwahl sehr wichtig ist. Außerdem fühlen wir uns freundschaftlich zu Max und seiner Nimm2-Party verbunden.
Was erwartet ihr euch von einer Kleinstadt wie Bamberg im Unterschied zu Städten wie Berlin, Hamburg oder Stuttgart in Bezug auf Publikum und Stimmung?Unterschiede gibt es, aber keinen, der sich auf die Größe der Stadt zurückführen lässt. Wir erwarten einen Haufen tanzwütiger, aufgeschlossener und ein bisschen verrückter Leute. Im Grunde ist es egal, ob jemand in Berlin Bock auf die Party hat oder eben in Bamberg. Zumindest ist es uns egal. Wir haben immer unseren Spaß und wollen diesen gern teilen.
Es grassiert das Gerücht, der Indie-Boom habe den Peak bereits vor Jahren erreicht. Was haltet ihr dem als immer noch erfolgreiche Indie-DJs entgegen?
Das stimmt teilweise. Teilweise deshalb, weil Bands, die Indie im rockigen Sinne spielen, kaum an den Erfolg der Bands von vor 5 oder gar 10 Jahren anknüpfen können, mit Ausnahmen natürlich. Andererseits kommen Parties, die eben diesen Classic Indie spielen, mehr und mehr zurück. Wir merken das selbst mit unserer Party The Early Days, die an Zeiten anknüpft, als die King Kong Kicks noch King Kong Klub hießen. Die Kicks sind dagegen etwas offener und moderner und fließen durch verschieden Genres, die aber alle durchaus Berührungspunkte mit der Entwicklung des Indie haben, poppig, elektronisch, mal eine gute Rap-Nummer und das Ganze ohne die Klassiker aus den Augen zu verlieren.

Christian Vorbau, Kopf der King Kong Kicks. (Foto: King Kong Kicks)

Aufgrund ihres vorzüglichen Musikgeschmacks gelten Indie-DJs nicht selten als erhaben und unnahbar. Wie schätzt ihr euch selber ein und wie geht ihr mit allzu profanen Songwünschen um?
„Erhaben“ und „unnahbar“ sind wir nicht und wollen wir auch gar nicht sein. Wir spielen auch mal einen unbekannte, neuen Song, allerdings nie belehrend sondern eher wie es unter Freunden läuft: „Hast du schon die Neue von XY gehört?“ Im Fokus liegt immer die Party an sich und eigentlich stehen wir am liebsten auf einer Ebene, weil wir vor allem mitfeiern wollen. Das ist kein Frontalunterricht.
Regelmäßig presst ihr die musikalischen Errungenschaften, die bei euren Partys den Dancefloor füllen, auf Platte, bringt also eine Compilation der besten Indie-, Pop- und Elektro-Tracks raus.  Wenn ihr hier und jetzt einen Shortplayer mit, sagen wir, fünf Songs präsentieren müsstet,  Songs, die noch niemand kennt, aber sämtliche Indie-Jünger die Tanzfläche stürmen lassen: welche wären das?
Die Arbeit am Sampler bricht Herzen, weil wir uns entscheiden müssen. Da muss dann auch mal der Hit dem unbekannten Artist weichen. Die Mischung ist uns dabei sehr wichtig. Im Prinzip wie im Club, nur dass die Platte etwas ruhiger ist, also für zuhause oder den Baggersee. Eine aktuelle Liste zu erstellen würde also mein kleines Herzchen brechen. Momentan tummeln sich aber die neuen Alben von Miike Snow, Jack Garratt, Soulwax, Lapslay und Get Well Soon auf meinem Player. Der eine oder andere Song könnte am 27.03. auf ein Tänzchen im Stilbruch vorbeikommen.
Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt!

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Brücken-Interview mit Neko Neko

Lagerfeuerhymnen – Lieder, die einen in der Vergangenheit schwelgen lassen, die gemeinsam mit Freundinnen und Freunden erlebte Momente ins Gedächtnis rufen – nachts am See, das Klirren der Bierflaschen, das Knistern und Knacken des brennenden Holzes, das im Feuer einen harzig rauchigen Duft freisetzt, eine Gitarre, eine Stimme, ein Lied und das Gefühl von totaler Sorglosigkeit und unendlicher Freiheit. Erinnerungen, die einen in den kalten Tagen von den nächsten milden und sternenklaren Sommernächten träumen lassen – aber die sind noch fern. Wer sich aber solch einen Moment in der kalten Tristesse des Dezembers wünscht, der sollte der Musik der beiden Lagerfeuermusikanten Daniel Hohorst (Bremen) und Dominik Herrmann (Augsburg) lauschen, die als Duo unter dem Namen Neko Neko auftreten (HIER könnt ihr mal reinhören).

Das Duo spielt am 17. Dezember (Do) im Stilbruch  als Support für Folk-Musiker und Singer-Songwriter Olaf Kock. Wir haben uns auf die Untere Brücke gesetzt und dort bei einem heißen Glühwein mit den beiden Jungs von Neko Neko ein Interview geführt, um sie euch vorzustellen:

Natürlich wollen wir euch auch die Musik von Olaf Kock nicht vorenthalten. Der aus Bremen stammende Künstler, Maler und Singer-Songwriter ist auch Sänger des Musik-Projekts dogsrunfree. Nur mit seiner Akustikgitarre, seiner Stimme und vielen Songs über verrückte, dahineilende, traurige und glorreiche Zeiten im Gepäck zieht es ihn bei seiner letzten Solo-Tour des Jahres vom hohen Norden in den tiefen Süden – von Bremen nach Augsburg. Und tatsächlich betritt er bei seinem Auftritt in Bamberg das erste Mal Neuland – bayerischen Boden.

foto (c) by Lars Kaempf
foto (c) by Lars Kaempf

Kommt vorbei, werft die Gläser an die Wand und schlagt die Hände zusammen, wenn Olaf Kock und Neko Neko nächste Woche im Stilbruch zu Besuch sind! Ach ja, hier geht’s zu Olaf Kocks Song „The Garden“:

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