Franken-Tatort mit Stil(i)

Er spielt den Pathologen Lutz Kranich im zweiten Franken-Tatort „Das Recht, sich zu sorgen“, der am kommenden Sonntag – auch im Stilbruch – Premiere feiert, hat bereits ein Schauspielstudium in Freiburg und zahlreiche Engagements – u.a. an der Badischen Landesbühne Bruchsal, am Theater Neustrelitz und am Thüringer Landestheater Rudolstadt – hinter sich, studiert heute Psychologie in Bamberg und sorgt im Stilbruch, wo er als Koch und Barkeeper sein Taschengeld aufbessert, dafür, dass ihr weder verhungern noch verdursten müsst. Sein Name: Benjamin Griebel. Seine Markenzeichen: makelloses Hochdeutsch und feinherbes Pils. Aber nein, er stammt nicht aus dem hohen Norden, sondern aus Unterfranken. Wir haben Benjamin ein paar Fragen gestellt.

Stilbruch: Die wichtigsten Fragen zuerst: Hättest du lieber ein Skalpell in der Küche oder ein Küchenmesser bei der Obduktion?
Benjamin: Beides ist irgendwie falsch. Also, nicht ganz falsch, mit dem Skalpell kann man in der Küche arbeiten. Man braucht halt viel Zeit. Ich steh auch auf große Küchenmesser, weil man damit schnell und gut arbeiten kann, aber für eine Obduktion wär’s wahrscheinlich einfach ein zu großes Werkzeug.
Würdest du lieber einen oscarreifen Hollywoodfilm mit Til Schweiger drehen oder in einem Rosamunde Pilcher Quotenhit mit Wayne Carpendale mitspielen?
Ich freu mich auf beides (lacht). Ich bin auch total froh, dass nächstes Jahr beides stattfindet.
Würdest du lieber – wenn er noch auf Sendung wäre – bei Gottschalk auf der Gäste-Couch sitzen oder Nina Hagen auf deinem Sofa therapieren?
Gottschalk, die Antwort ist Gottschalk!
Warum das?
Weil ich der größte Gottschalk-Fan bin. Der ist einfach so spannend, unkorrekt, chauvinistisch, aber immer ehrlich mit seinen Gästen und er lässt nie jemanden ins Messer laufen. Er war für mich einer der letzten großen Unterhalter, deswegen bin ich traurig, dass er’s nicht mehr macht. Deswegen Gottschalk.
Theaterbühne oder Filmset?
Na ja, das eine kenn ich schon länger, das andere ist eher neu. Es gibt viele parallelen, beides ist spannend, beides ist frustrierend.
Warum frustrierend?
Frustrierend, weil es quasi immer nur damit zu tun hat, dass du versuchst, dich einem Idealzustand anzunähern, ohne dass du diesen Idealzustand jemals erreichst. Das heißt, es birgt immer ein gewisses Frustrationspotential, sowohl auf der Bühne als auch beim Film. Ich finde aber beides spannend und schön.
Etwas Grundlegendes: Warum hast du dich damals entschieden, im Anschluss an dein Schauspiel-Studium zusätzlich Psychologie zu studieren?
Für mich hat es sich irgendwann verdichtet auf Psychologie oder Medizin. Beides hat mit Menschen zu tun, beides ergründet, wie der Mensch funktioniert. Psychologie ist letztendlich noch näher – also kernmäßig  – an dem, was mich sowieso interessiert und was mich an Schauspiel schon immer fasziniert hat: die Fragen, warum wir Menschen so sind, wie wir sind, was uns ausmacht, was uns unterscheidet und warum wir in spezifischen Situationen spezifische Entscheidungen treffen. Und Psychologie ist im Grunde die Wissenschaft dazu.
Und warum fiel die Entscheidung auf Bamberg?
Dadurch, dass meine Freundin und ich unendlich viele Wartesemester hatten, wir beide zusammenleben und unterschiedliche Sachen studieren wollten – das am besten in einer Stadt, die schön, angenehm, nicht zu groß und nicht zu klein ist und außerdem gute Studienbedingungen aufweist –  haben wir uns damals für Bamberg entschieden. Und bisher haben wir es noch keine Sekunde bereut.
Einen Schritt weiter: Wie bist du an die Rolle des Pathologen Lutz Kranich im Franken-Tatort gekommen?
Ich bediene da wahrscheinlich eine Schnittmenge zwischen Native Speaker „Frange“ und Schauspieler. Und meine Einschätzung ist die, dass die Caster einfach mal nach Leuten, auf die das zutrifft, gesucht haben, sie gegoogelt haben. Von denen wurden dann einige zum Casting für den ersten Franken-Tatort eingeladen –  auch ich. Das ist damals auch ziemlich gut gelaufen, entschieden haben sie sich aber für zwei andere Schauspieler. Jetzt, beim zweiten Franken-Tatort, haben sie sich scheinbar wieder an mich erinnert und sich bei mir gemeldet. Einfluss auf die endgültigen Entscheidungsprozesse hat man aber als Schauspieler – außer durch das Casting –  keinen.
Was war dein erstes Gefühl, als du wusstest, du hast die Rolle?
Irritation, da ich nicht damit gerechnet habe. Man muss wissen, das Regie- und Produktionsteam wechselt bei jedem Tatort – neue Regie, neue Kamera, neuer künstlerischer Stab. Das neue Team kannte mich also nicht. Deswegen hätte ich vermutet, dass sie mich nochmal sehen wollen, bevor sie mir diese Rolle geben. Aber anscheinend haben die Aufzeichnungen des ersten Castings gereicht. Und ja, danach Freude und Angst, wie bei allem im Leben.
Der Otto Normalverbrauchen würde an dieser Stelle eigentlich sagen: „Der spielt im Tatort mit, der muss ausgesorgt haben!“ Was ist deine Antwort?
Es ist eine kleine – eine sehr schöne -, aber eben eine kleine Rolle. Trotzdem, Tatort ist natürlich wunderschön, weil es eine so positive Resonanz gibt und weil einen so viele Leute sehen. Ob das aber so weiter geht und ob meine Rolle jetzt aussagekräftig genug ist, um zu sagen „Leck mich am Arsch, der hat ja mega was auf dem Kasten. Wo war der die ganze Zeit?“, das ist eher unwahrscheinlich. Ich sehe das Ganze erstmal als schönen Ausflug. Aber ob das dann so weitergeht, das ist von so vielen Faktoren abhängig, die ich nicht selbst in der Hand habe. Ausgesorgt hat man damit aber absolut nicht.
Hast du dich auf die Rolle vorbereitet?
Klar. Man trifft sich mit dem Regisseur und tauscht sich über die Figur aus, dann stellt man sich alle möglichen Fragen, wie zum Beispiel : Was ist dieser Lutz Kranich überhaupt so für ein Typ? Auch Dinge, die im Film selber gar nicht erzählt werden, bespricht man: Wo wohnt er? Bei seiner Mutter? Alleine? Ist er von seiner Freundin verlassen worden? Warum ist er in bestimmten Situationen unglücklich? Wie ist er in der Schule behandelt worden? War er ein Außenseiter oder eher ein Mitläufer? Trinkt er gerne Bier? Isst er gerne Fleisch? Ist er Sinnlich? Letztendlich hilft jede Beschäftigung mit der Rolle, um sie besser zu verstehen.
Wie würdest du Lutz Kranich in einem Satz beschreiben?
Er ist der untypische fränkische Grantler. Ehrlich und ein schräger Vogel, der anders handelt, als es die Norm vorschreibt.
Wie war es für dich, bei der Premiere des Tatorts das erste Mal das Gesamtwerk betrachten zu können?
Also für mich ist vor allem der ganze Kontext neu: viele Fotografen, viele wichtige Leute. Ich bin da ja ein extrem kleines Licht, deswegen ist es spannend, die Kollegen zu beobachten, die das alles kennen und wissen, wie das geht. Die gehen deutlich souveräner mit dem Ganzen um als ich. Und selber den Film anzuschauen, das ist, wie seine eigene Stimme zu hören. Also mir war vorher schon klar, dass ich mich selber sowieso blöd finde, insofern war das in Ordnung (lacht). Abgesehen davon ist der Film wahnsinnig toll geworden und ich freue mich, dass ich dabei bin.
Wo schaust du kommenden Sonntag den Tatort?
Hier im Stilbruch. Glücklicherweise darf ich aus der Küche raus.
Ich hoffe, du hast reserviert?
Hab die letzten zwei Karten.
Und wann gibt’s die erste Autogrammstunde?
Falls dann noch jemand eins will und das, was ich unterschreibe, keine Lebensversicherung ist – gerne. Ich bezweifle aber, dass jemand eines möchte (lacht).

lr

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.