Interview | Better Call Soul – pink mike & LeNeuf

LeNeuf und pink mike, zwei Soul-Supporter, die vor einigen Jahren gemeinsam beschlossen, die Veranstaltung „Better Call Soul“ ins Leben zu rufen, um so Frischluft in die Techno- und House-Hochburg Bamberg zu bringen. Wir haben mit den beiden vor ihrem Auftritt am 17. März im Stilbruch gesprochen:

Stilbruch: Wie seid ihr dazu gekommen, die Veranstaltung „Better Call Soul“  ins Leben zu rufen und so den Soul nach Bamberg zu bringen?
LeNeuf (Daniel): Das war doch eigentlich so ne klassische Schnappsidee, oder?
pink mike (Michi): Schnapsidee ja, aber du hast ja begonnen und hast die erste „Better Call Soul“-Veranstaltung alleine gemacht. Ich selber hatte vorher ab und an mal abends im Freiraum Soul aufgelegt, was aber keine feste Veranstaltung war. Irgendwann bin ich auf dich zugegangen und gemeinsam haben wir dann – bei viel Schnaps – festgestellt, dass unsere musikalischen Richtungen doch recht deckungsgleich sind. Von da an haben wir diese Veranstaltung zusammen aufgezogen.
Und warum Soul?
LeNeuf: Bevor ich diese Musik entdeckt hab, hab ich ab und an Punk und Indie aufgelegt. Irgendwann bin ich Zuhause, auf Youtube oder so, zufällig auf diese Soul-Schiene gestoßen und dachte mir so: geil, taugt mir ziemlich. Und wenn mir etwas gefällt, dann such ich weiter. Nach und nach hab ich mir dann hunterte Soul-Platten gekauft. Aber ich weiß noch, die ersten Male gings beim Auflegen öfter mal: Michi, ich hab keine Platten mehr, mach du weiter!
pink mike: Ich hab als Jugendlicher lange nach einer Musikrichtung gesucht, die mir zusagt, und bin dann irgendwann auf 70-er Jahre Disco-Musik gestoßen. Von dort aus gings weiter Richtung Soul. Als ein Kumpel gefragt hat, ob ich in Braunschweig bei einem Soul Allnighter auflegen möchte, hab begonnen, mir Platten zu kaufen. Zu dem Zeitpunkt hab ich nochmal gemerkt, dass Soul eine derart vielfältige Musikrichtung ist, die mir total zusagt – von den Texten, den Melodien und den Liedstrukturen her. Deswegen bin bei Soul geblieben. Dass wir hier und heute Soul auflegen, liegt aber auch daran, dass Techno und House in Bamberg tatsächlich sehr präsent sind. Das merken wir an den Rückmeldungen, die wir während und nach unseren Veranstaltungen bekommen, denn die Leute freuen sich, dass es mal was anderes gibt.
Ihr legt ausschließlich analog mit Schallplatten und Plattensppielern auf. Warum keine Spotify-Playlist und ab ans Glas?
pink mike: Als ich nach Bamberg kam, hab ich viel mit Laptop aufgelegt – Electroswing und House – bin davon aber komplett weg, weil es mich irgendwann nur noch genervt hat. Man kann sich mittlerweile so viel Musik aus dem Internet besorgen – entweder bezahlt oder kostenlos -, dass ich irgendwann überfordert war mit diesem Überangebot. Mit Vinyl habe viel mehr Verbindung zu einem Track. Klar muss man da auch Geld in die Hand nehmen, aber man kauft sich keine 50 Platten auf einmal, sondern vielleicht zwei, drei und hört die dann auch mal richtig durch und überlegt sich, welcher Song wo und wann passt. Für mich war das so ein Aha-Erlebnis, durch das mir das Auflegen heute wesentlich mehr Spaß macht.
LeNeuf: Ich war auch schon immer ein Analog-Fan. Klar hatte ich auch meinen MP3s auf dem Rechner. Aber ich hab schon früh gemerkt, dass ich mir wesentlich mehr Zeit für die Musik nehme, sobald ich eine CD oder Platte einlege, wohingegen am Laptop die Musik eigentlich nur nebenher läuft. Natürlich ist es schön, eine Spotify-Playlist zu haben. Aber wenn man sich intensiv mit Musik beschäftigen möchte, ist analog immer besser.
pink mike: Übrigens! Außerdem ein wichtiger Aspekt: Bis man einen Plattenspieler oder eine Plattennadel schrottet, muss man schon einen ziemlich rabiaten Umgang an den Tag legen. Eigentlich passiert da nichts, wohingegen mir damals der Laptop während des Auflegens öfter einfach abgeschmiert ist, was dann ziemlich ärgerlich ist.

LeNeuf (rechts) und pink mike.

Also ist analog auflegen sogar wesentlich sicherer?
pink mike: Definitiv, weil einfach wesentlich weniger Technik dahinter steht, die du nicht durchsteigen kannst. Der Nachteil ist die Logistik: Ein Laptop wiegt vielleicht zwei Kilo und ein USB-Stick zehn Gramm (lacht). Und um nen ganzen Abend zu spielen – also rund sechs Stunden ungefähr – brauchst du halt entsprechend viele Platten.
Wie viele besitzt ihr denn aktuell?
LeNeuf: Zuhause, 400 bis 500 ungefähr.
pink mike: Joa, so ungefähr. Und das ist noch ne relativ kleine Sammlung.
Und wie viele nehmt ihr mit für einen Abend?
LeNeuf: Gute Frage. Alles, was reinpasst in die Tasche. (lacht)
pink mike: Ich tendiere auch immer dazu, viel zu viel mitzunehmen. Es ist halt eben auch die Herausforderung: Man bestreitet zu zweit einen ganzen Abend und möchte auch eine gewisse Dramaturgie in das Set zu bekommen. Dafür braucht man eben auch eine Auswahl.
LeNeuf: Dazu kommt außerdem, dass wir uns nicht schon vorher vornehmen, was wir abends spielen. Wir wollen auf die Leute reagieren. Wenn man merkt, dass die Tanzfläche leer wird, muss man etwas ändern. Eine große Auswahl ist also gut, um dementsprechend alle Richtungen bedienen zu können, bis dann hoffentlich irgendwas ankommt und die Tanzfläche sich wieder füllt.
Hier in Bamberg habt ihr schon einige Locations bespielt – alle mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Vorzügen. Was sind die Voraussetzungen und Vorzüge im Stilbruch?
LeNeuf: Ihr habt Otto Hübner. Punkt. (lacht)
pink mike: Ja dann füg ich hinzu: Ihr habt Jever. (lacht)
LeNeuf: Nein, man hat hier auf dem Podest das DJ-Pult eine klasse Übersicht und davor eine gerade, große Tanzfläche. Es ist einfach sehr schön aufgebaut und aufgeteilt. Man hat alles im Blick, es zieht die Leute nach vorne zum Tanzen, weil der Barbereich eher weiter hinten im Raum liegt. Und wenn wir auflegen, wollen wir auch, dass die Leute sich bewegen.
pink mike: Also von dem Schatz an Platten, den wir besitzen, spielen wir viele, zwar nicht nur, aber eben viele bekannte Sachen. Tracks, zu denen man tanzen kann. Unser Anspruch ist es schlichtweg, dass ordentlich Bewegung auf der Tanzfläche herrscht. Und das ist hier im Stilbruch möglich.
Was sind eure Aussichten als DJ-Duo für die Zukunft?
LeNeuf: Also Michi ist jetzt weg, in Hamburg, und wir schauen, dass wir in etwa alle zwei Monate in Bamberg eine „Better Call Soul“-Veranstaltung starten.  Außerdem sind wir aktuell auch dabei, das Ganze etwas in die Ferne zu tragen: Wir sind jetzt beispielsweise morgen das zweite Mal in Mainz, im Schick und Schön. Und wir schauen außerdem, ob wir in Hamburg eine Location finden. Das sind so unsere Pläne.
Dann alles gute euch beiden und danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt.

lr

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