Interview | Dom Waits – Hessisch House

Dominik Heller aka Dom Waits, ehemaliger Bamberger jetzt Mainzer, macht Urlaub und schaut dabei gemeinsam mit Dominique Ebert aka Trycatch mal wieder in der Bierstadt vorbei. Mit im Gepäck: seine Plattensammlung. Wir haben ihm vor seinem Auftritt am 22. Oktober im Stilbruch ein paar Fragen gestellt.

Stilbruch: Wie kam’s zur ersten Ei, Gude Beats Party im vergangenen Sommer?
Dom Waits: In erster Linie ist die Idee aus der Erkenntnis entstanden, dass es nirgendwo in Bamberg Äppler (Apfelwein) gibt. Und bei dem Gedanken war der in Frankfurt gewachsene Techno nicht mehr weit. Der Name der Veranstaltung ist ein Wortspiel von „Ei, Gude wie?“ was im Hessischen vereinfacht „Hallo, wie geht’s dir?“
Das heißt ihr spielt ausschließlich Techno aus Hessen?
Nein. Darauf wollen wir uns nicht beschränken und dafür sind unsere Interessen in der elektronischen Tanzmusik auch zu weit gefächert. Wir spielen unsere aktuellen Sets und dazu Perlen, die wir persönlich mit der Zeit, in der wir regelmäßig in Frankfurt unterwegs waren, in Verbindung bringen.
Zum Beispiel?
Einer der ersten Songs, die wir immer wieder gehört haben war die Amelie von Butch – auch Mainzer, immerhin – im Format B Remix. Zu der Zeit waren wir auch stark auf Booka Shade unterwegs, einer von den beiden aus Frankfurt. Die werden wir bestimmt auch am Samstag spielen. Da haben wir auch Auswahl: In White Rooms, Mandarine Girl oder Body Language sind ja alles Hymnen.Und natürlich auch irgendwas von Sven Väth und den ganzen Cocoon Leuten.Als wir angefangen haben uns für Techno (Überbegriff für House und alle Elektronische Tanzmusik) zu interessieren gab es nur wenige Mitschnitte im Internet, keine aufgenommenen Livesets oder Techno-Podcasts. Wir hatten die Clubnight, eine Radiosendung auf YouFM (früher HR3) bei der Freitag und Samstag Nacht nur House und Techno lief, DJs zum Talk eingeladen wurden und man Ausgehtipps bekam.
Und dann gab es noch die Sampler: House Club Hottest, Sven Väths Seasons, die Disco Boys… etc.
In Bamberg ist ja in den letzten Jahren ne relativ große Techno und Deephouse-Szene entstanden – dazu gehören Hainsein, Selva oder Rauschkollektiv. Grenzt ihr euch davon ab? Was sind Gemeinsamkeiten, was Unterschiede?
Es gibt einige Leute die in elektronischer Tanzmusik keine Unterschiede erkennen. Da werden Paul van Dyk und Daft Punk in einen Topf geworfen weil beides elektrisch und tanzbar ist. Die Unterschiede zu den etablierten Bamberger Kollektiven sind teilweise deutlich, teilweise aber nur in Nuancen zu finden. Ich mag die Musik, die in Bamberg läuft: Besonders Hainsein hat mir immer gut gefallen. Allerdings ist unser Sound eventuell etwas zugänglicher und kommt aus einer anderen Richtung. Ich will nicht sagen sanfter, aber das kann schon sein. Wir mögen beide schöne Stimmen und finden, dass sich das nicht mit einem knackigen Beat beißen muss. Die Kollektive spielen meiner Meinung nach wenig Deep House, sondern wirklich eher Techno. Deep House ist langsamer, oft mit klassischen Synthesizern und echten Instrumenten untersetzt. Techno ist deutlich elektronischer und eben auch härter. Dass wir uns auf Deep House eingeschossen haben, liegt ein bisschen daran, dass wir gerne in Bars auflegen. Die Leute tanzen zwar seltener, aber haben deshalb trotzdem keinen schlechten Abend. Wir werden für unseren Sound gelobt, kommen mit den Leuten ins Gespräch und schaffen dabei eine gewisse Atmosphäre.

Ei, Gude Beats!

Warum die Tour und warum der Stilbruch?
Die Tour ist uns eine Herzensangelegenheit. Die Zeit in Bamberg war für mich sehr schön, auch wenn ich damals aus beruflichen Gründen wegziehen musste. Und ich möchte auf keinen Fall den Kontakt zu der Stadt verlieren. Es macht uns großen Spaß dort aufzulegen. Die Leute gehen mit, sind begeistert und lassen sich nicht vom Tanzen abhalten. Und dann wäre da natürlich noch das Bier. Wir möchten den Trip halbjährlich wiederholen und hoffen, es klappt alles. Der Stilbruch steht dabei im Mittelpunkt unseres kleinen Abenteuers. Hier haben wir alle Möglichkeiten. Die Anlage ist stark, die Mitarbeiter sind voll dabei und geben sich viel Mühe, dass wir alle zusammen eine gute Zeit haben.
Und die Holzdielen der Tanzfläche erinnert uns immer an das Robert Johnson in Offenbach. Ein bisschen Nostalgie schwingt da schon mit.
Danke für das Interview.

lr

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