Interview | King Kong Kicks

Sie sind die große Konstante in der Indie-Szene, zählen deutschlandweit zu den bedeutendsten Indie-,Pop- und Electro-Partys, spielen ihre Sets auf Festivals wie dem Melt, in Clubs in Berlin, Hamburg oder Stuttgart und bringen seit Jahren ihre eigene Compilation heraus, auf die sie ein Destillat der besten Floorfiller des Jahres packen: King Kong Kicks. 2003 gegründet als King Kong Klub, wütet die Gruppe mehr oder weniger junger Indie DJs seit 2009 als King Kong Kicks durch 16 Städte und deren Club-Szene. Für diejenigen, die den großen Affen noch nicht kennen, haben wir vor dem ersten Auftritt im Stilbruch am 27. März 2016 ein Interview:

Wenn ich mich recht entsinne, habt ihr schon einmal in Bamberg aufgelegt, zur Feier des 5-jährigen Bestehens des Morph Clubs – kurz bevor dieser jedoch seine Tore schließen musste. Damals hat auch Bambergs bekannteste Indie-Party – Nimm2 – mit dem Gedanken gespielt, die Platten an den Nagel zu hängen, und ich erinnere mich, dass mein Mittbewohner – seines Zeichens  Indie-/Alternative-Dogmatiker – in einem Zustand von Trauer und Wut an eure Pinnwand geschrieben hat, dass ihr seine letzte Hoffnung seid und ob ihr denn wieder nach Bamberg kommt. Das ist jetzt rund anderthalb Jahre her. Warum hat’s so lange gedauert? Was hat euch so lange aufgehalten?
King Kong Kicks (Gabriel Bajcic): Dass der Morph Club schließen musste traf uns sehr und es hat seine Zeit der emotionalen Verarbeitung gebraucht. Mal im Ernst… Wenn ein Club schließt, ist das immer sehr schade. Ein Problem ist natürlich, dass wir in den vielen Städten, in denen wir regelmäßig zu Gast sind, eben nur Gast sind und man nicht einfach beim Nachbarn klingelt, weil die letzte Beziehung beendet werden musste. Wir haben nun aber kürzlich eine Nachricht eines alten Stammgastes (vielleicht dein Mitbewohner?!) erhalten mit der Bitte, wieder was in Bamberg zu machen. Von ihm kann dann auch der Vorschlag, den Stilbruch anzuschreiben. In diesem Fall haben wir uns also verkuppeln lassen und jetzt sind wir natürlich gespannt auf das erste Date. Ein bisschen kribbelt es ja schon.

King Kong Kicks in Essen. (Foto: King Kong Kicks)

Mit der Reihe King Kong Kicks seid ihr in Clubs  in 16 verschiedenen Großstädten Deutschlands unterwegs und legt auch auf Festivals auf. Warum ist es damals die möglicherweise etwas verschlafene Kleinstadt Bamberg geworden,  warum der „Relaunch“ 2016  und warum im Stilbruch?
Besonders wohl fühlen wir uns in studentischen Szeneclubs. Natürlich liegen da die Großstädte sehr nah. Nichts desto trotz geht es am Ende des Tages um eine schöne Nacht mit interessanten Menschen, die einfach Bock auf Musik haben, sich auch mal fallenlassen können und gern auch morgens mit uns den Club abschließen. In Bamberg gibt es eine gute Indie-Szene und – wenn ich mich recht entsinne – eben diese Menschen, mit denen wir gern feiern. Der Stilbruch ist ein Laden, der kulturell einiges zu bieten hat und bei dem die Lust auf Musik absolut im Vordergrund steht, was uns bei der Partnerwahl sehr wichtig ist. Außerdem fühlen wir uns freundschaftlich zu Max und seiner Nimm2-Party verbunden.
Was erwartet ihr euch von einer Kleinstadt wie Bamberg im Unterschied zu Städten wie Berlin, Hamburg oder Stuttgart in Bezug auf Publikum und Stimmung?Unterschiede gibt es, aber keinen, der sich auf die Größe der Stadt zurückführen lässt. Wir erwarten einen Haufen tanzwütiger, aufgeschlossener und ein bisschen verrückter Leute. Im Grunde ist es egal, ob jemand in Berlin Bock auf die Party hat oder eben in Bamberg. Zumindest ist es uns egal. Wir haben immer unseren Spaß und wollen diesen gern teilen.
Es grassiert das Gerücht, der Indie-Boom habe den Peak bereits vor Jahren erreicht. Was haltet ihr dem als immer noch erfolgreiche Indie-DJs entgegen?
Das stimmt teilweise. Teilweise deshalb, weil Bands, die Indie im rockigen Sinne spielen, kaum an den Erfolg der Bands von vor 5 oder gar 10 Jahren anknüpfen können, mit Ausnahmen natürlich. Andererseits kommen Parties, die eben diesen Classic Indie spielen, mehr und mehr zurück. Wir merken das selbst mit unserer Party The Early Days, die an Zeiten anknüpft, als die King Kong Kicks noch King Kong Klub hießen. Die Kicks sind dagegen etwas offener und moderner und fließen durch verschieden Genres, die aber alle durchaus Berührungspunkte mit der Entwicklung des Indie haben, poppig, elektronisch, mal eine gute Rap-Nummer und das Ganze ohne die Klassiker aus den Augen zu verlieren.

Christian Vorbau, Kopf der King Kong Kicks. (Foto: King Kong Kicks)

Aufgrund ihres vorzüglichen Musikgeschmacks gelten Indie-DJs nicht selten als erhaben und unnahbar. Wie schätzt ihr euch selber ein und wie geht ihr mit allzu profanen Songwünschen um?
„Erhaben“ und „unnahbar“ sind wir nicht und wollen wir auch gar nicht sein. Wir spielen auch mal einen unbekannte, neuen Song, allerdings nie belehrend sondern eher wie es unter Freunden läuft: „Hast du schon die Neue von XY gehört?“ Im Fokus liegt immer die Party an sich und eigentlich stehen wir am liebsten auf einer Ebene, weil wir vor allem mitfeiern wollen. Das ist kein Frontalunterricht.
Regelmäßig presst ihr die musikalischen Errungenschaften, die bei euren Partys den Dancefloor füllen, auf Platte, bringt also eine Compilation der besten Indie-, Pop- und Elektro-Tracks raus.  Wenn ihr hier und jetzt einen Shortplayer mit, sagen wir, fünf Songs präsentieren müsstet,  Songs, die noch niemand kennt, aber sämtliche Indie-Jünger die Tanzfläche stürmen lassen: welche wären das?
Die Arbeit am Sampler bricht Herzen, weil wir uns entscheiden müssen. Da muss dann auch mal der Hit dem unbekannten Artist weichen. Die Mischung ist uns dabei sehr wichtig. Im Prinzip wie im Club, nur dass die Platte etwas ruhiger ist, also für zuhause oder den Baggersee. Eine aktuelle Liste zu erstellen würde also mein kleines Herzchen brechen. Momentan tummeln sich aber die neuen Alben von Miike Snow, Jack Garratt, Soulwax, Lapslay und Get Well Soon auf meinem Player. Der eine oder andere Song könnte am 27.03. auf ein Tänzchen im Stilbruch vorbeikommen.
Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt!

lr

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