Nimm2 im Interview

Freitag der 30. Oktober, 00:21 Uhr, Stilbruch. Der Schweiß tropft von der Decke, die Menschen tanzen in Ekstase – Nimm2 ist zurück:  Friday, finally we’re in love again.

Vor zehn Jahren von Peter Wittkamp initiiert, übernommen und erfolgreich weiter-getragen von Max Beer, ist Nimm2 nunmehr die einzig verbliebene Indie-Veranstaltung Bambergs. Wir haben uns mit DJ Modest M∆X getroffen und bei einem gemütlichen Hübner-Bock über Nimm2, den Morph und Indie in Bamberg gequatscht.

Los geht’s allerdings mit Peter Wittkamp, den wir in seinem Urlaub so lange mit unseren Fragen bombardiert haben, bis er sich schließlich von der Hotel-Bar losgeeist und uns seine Antworten via Morseapparat zugesendet hat. Danke dafür:

Peter, do you remember the first time? Wie lief das anfangs bei Nimm2 und woher der Name?
Peter Wittkamp: Ich war damals DJ im Stilbruch – jeden Mittwoch gab es BritPop mit PitPop. Starker Name, gell? Mein bester Freund Marius und ich kamen dann irgendwann auf die Idee, mehr daraus zu machen. Gemeinsam mit Stefan, dem Inhaber der Bar, haben wir uns dann das Konzept zu Nimm2 ausgedacht. Erst eine Band, die oben in der Gasstätte spielt, dann Party unten im Jazzkeller. Daher auch der Name: Nimm2. Markenrechtlich gesehen vielleicht ein wenig heikel, aber bis heute hat sich niemand beschwert. An Bands ist damals so ziemlich alles aufgetreten, was Rang und Namen hat: The Libertines, Interpol, Placebo … aber vielleicht täuscht mich meine Erinnerung da auch ein wenig.
Wie kamst du damals überhaupt auf den Gedanken, in Bamberg eine Indie-Party aufzuziehen? Du warst ja hier nicht in Seattle, Peter.
Es gab damals den eher punkigen Rex Report und eine Alternative-lastige Veranstaltung in Bamberg. Dazwischen gab es aber noch Raum für jemanden, der auch mal Belle & Sebastian oder – ja! – Coldplay auflegen wollte. Und diese Nische haben wir dann ausgefüllt.
…und dann an der Löwenbrücke raus. Wann und wie kam es zum Umzug in den Morphclub?
Irgendwann war es zu kompliziert, immer eine Band zu finden. Und so richtig rentiert hat es sich auch nicht. Gema, Gage, Anfahrt – alles ziemlich teuer. Also haben wir die Veranstaltung auf den Tanz-Part reduziert und sind in den alten Morph Club gezogen. War eine sehr schöne Zeit dort. Liebe Grüße an Günther und das ganze Team. Als ich mit dem Studium fast fertig war, bin ich dann nach Berlin gegangen, habe aber immer noch monatlich in Bamberg aufgelegt. Dann irgendwann im neuen Morph Club. Als mir die monatliche Pendelei zu viel wurde, habe ich die Veranstaltung in vertrauensvolle Hände gegeben. Und freue mich sehr, dass es sie auch nach zehn Jahren noch gibt. Nun wieder im Stilbruch … wo alles begann. Stark!

Nimm2 im Stilbruch

Max, seit wann bist du Gastgeber von Nimm2 und wie kam es dazu?
Max Beer: Peter war ja das letzte Mal im Dezember 2011 Veranstalter – ich hab dann ab Februar 2012 übernommen. Da ich vorher im Morph immer mal bei Fachschaftspartys aufgelegt und dadurch schon den Fuß in der Tür hatte, habe ich dann nachgefragt, ob ich Nimm2 übernehmen kann. Mich haben die Rihanna-Wünsche bei den Fachschaftspartys einfach zu sehr genervt, da musste ich die Gelegenheit ergreifen, das aufzulegen, was ich auflegen  möchte.
Seit wann bist du selber Friday in love? Wie bist du als Gast zu Nimm2 gekommen?
Die Musik hör ich natürlich schon seit Jahrzehnten – okay, sagen wir anderthalb Jahrzehnten, so alt bin ich dann auch noch nicht – und hab natürlich als Student auch schon immer Nimm2 besucht. Das war ein Pflichttermin, einfach,  um zu der Musik tanzen zu können, die man privat auch hört. Ich würde sagen – ich hab 2005 angefangen zu studieren – ich war eigentlich so ziemlich von Anfang an dabei, einmal im Monat.
War das noch im Stilbruch?
Das war noch im Stilbruch und dann vor allem im alten Morph und Peter hat ja auch noch im neuen Morph aufgelegt.
Wie hat sich, seitdem du das erste Mal bei Nimm2 am DJ-Pult gestanden hast, die Indie-Szene hier in Bamberg verändert? Ist die Gefolgschaft geringer geworden, haben sich andere Musikrichtungen durchgesetzt?
Seitdem ich angefangen habe, hat sich nicht so viel geändert, aber sehr viel seit der Zeit, als  Peter angefangen hat. 2005 bis 2008 war Indie so ein bisschen die Konsens-Musik unter den Studenten. In den späten 2000ern wurde das immer mehr abgelöst von Elektro. Also die Gefolgschaft, insofern man das so nennen kann, besteht aus einem kleinen Kreis von Leuten, die privat vor allem Indie hören, der Mehrzahl, die neben Elektro auch Indie zugeneigt ist, und Leuten, ich nenne es mal Laufkundschaft, die sich halt drauf einlassen.
Indie ist also nicht „out“?
Das Schöne an Indie ist, dass es, glaube ich, nie „out“ sein wird, auch wenn die Hochzeiten, die Mitte der 2000er waren, vorbei sind. Aber Indie-Musik existiert seit den 80ern und die wird es auch noch in 20 Jahren geben. Das ist keine Eintagsfliege wie bei dem Dubstep-Boom vor zwei Jahren, wo jedes Lied einen Dubstep-Breakdown brauchte. Indie verändert sich, es kommen immer wieder neue Einflüsse dazu. Auch innerhalb der Szene mag sich möglicherweise eine Kleinigkeit verändern, aber das überdauert viele Trends.

Nimm2 im Stilbruch

Du hast Eingangs erwähnt, dass Nimm2 schon seit fast 10 Jahren besteht. Ist zum Jubiläum irgendetwas Besonderes geplant?
Wir sind gerade in der Planung für’s Zehnjährige und wir werden auf jeden Fall etwas auf die Beine stellen, was der Tradition und der zehnjährigen Geschichte Rechnung trägt. Ich mag jetzt aber noch nicht zu viel verraten!
Was hat es für dich als Bamberger Nachtschwärmer aber auch als Veranstalter bedeutet, als der Morph dicht gemacht hat? Hast du mit dem Gedanken gespielt, die Kopfhörer an den Nagel zu hängen? Jedenfalls konnte man damals etwas derartiges auf der Nimm2-Page lesen.
Ich denke, den Verlust des Morphs, den merken alle, die ihn noch gekannt haben, nach wie vor, wenn sie am Wochenende weggehen wollen. Es war ein sicherer Anker in der Partywüste Bamberg, weil man sich einfach sicher sein konnte: Was da stattfindet, wird mit großer Wahrscheinlichkeit einigermaßen geschmackvoll sein. Heutzutage hat man ja Probleme, noch gute Partys zu finden.
Für mich als Veranstalter war es ein Schock, weil es für mich genauso plötzlich kam, wie für alle anderen auch. Nimm2 war damals tatsächlich die vorletzte Veranstaltung, die noch im Morph stattfand. Am Tag danach gab es noch eine Letzte, dann war Schluss. Erst nachdem ich fertig war mit Auflegen, hab ich erfahren, dass der Morph zu macht. Nimm2 war in den Jahren, seit Peter dort hin gewechselt war, so eng mit dem Morph verbunden, auch mit den Leuten und Mitarbeitern dort, dass es mein erster Impuls war, zu sagen: Wenn der Morph endet, dann endet auch Nimm2.
Wie kam es zum Umdenken?
Obwohl ich ursprünglich die Party einstellen wollte, gab‘s dann zwei Entwicklungen. Die erste war, dass mich mehrere Leute darauf angesprochen haben, dass sie nicht auf eine Indie-Veranstaltung verzichten wollen – was ich als Indie-Fan natürlich mehr als nachvollziehen konnte. Der zweite Punkt war, dass ich auch keine Lust hatte, mit dem Ganzen aufzuhören, weil es mir persönlich viel zu wichtig ist, eine Bandbreite im Bamberger Nachtleben mitzugestalten. Und da Nimm2 damals im Stilbruch entstanden ist, war’s für mich dann die erste Option, dort nachzufragen, ob überhaupt Interesse besteht. Ich wusste auch, dass viele Mitarbeiter im Stilbruch regelmäßige Gäste bei Nimm2 waren, dementsprechend hab ich dort offene Türen eingerannt und dafür bin ich unglaublich dankbar.

Nimm2 im Stilbruch

Jetzt ist Nimm2 schon wieder ein Jahr hier – kannst du einen Vergleich zum Morph ziehen?
Der Charakter der Party hat sich durch die Räumlichkeiten natürlich etwas geändert– was Vor- und Nachteile mit sich bringt, sich meiner Meinung nach aber die Waage hält. Ein Nachteil ist vielleicht, dass es im Stilbruch nicht diese Club-Atmosphäre gibt und dadurch tanzt nicht immer der gesamte Raum, wie es vielleicht im Morph der Fall war. Andererseits war es eben bei einer Veranstaltung mit 150 bis 300 Leuten im Morph schwer, den Raum voll zu bekommen. Im Stilbruch hat man mit 200 Leuten volles Haus und das begünstigt meiner Meinung nach auch die Stimmung – zum Positiven. Insofern bin ich sehr zufrieden, auch wenn sich vielleicht von der Grundausrichtung etwas geändert hat.
Angenommen, du müsstest einen Anhänger der  Electro/Techno/Minimal-Szene, die ja in den letzten Jahren in Bamberg schon auf dem Vormarsch ist, von Indie überzeugen – was wäre dein Favourite, mit dem dir das direkt gelingen würde?
Da muss ich erst mal einen Schluck nehmen (schaut für einen Moment tief in sein Glas). Ich versuch jetzt erst mal, der Frage dezent auszuweichen. Indie ist kein festgelegtes Genre und dadurch unglaublich variantenreich. Das versucht die Veranstaltung auch widerzuspiegeln, sodass Leute, die von unterschiedlichen Richtungen kommen, immer irgendwas finden, worauf sie sich einlassen können und wollen. Auch die elektronische Seite versuch ich wenigstens ein bisschen abzudecken. Ich denke, die Mischung macht‘s und die Qualität der Songs an sich. Dass also ein Song, auch wenn man ihn vorher nicht kannte, sofort irgendwie in die Beine geht. Ich denke, das ist das Erfolgsrezept. Denn ein Beat, der tanzbar ist, den haben Indie und elektronische Musik gemeinsam – also irgendeinen besonderen Song kann ich nicht  herausstellen.
Danke, Max, dass du dir die Zeit genommen hast.

Übrigens!

Jede der Parties kann man auch komplett bei Spotify nachhören. Einfach unter www.facebook.com/N2Bamberg vorbeischauen. Wer hier sein „Like“ setzt kann außerdem bei monatlichen Verlosungen von Album-Downloads und Gästelistenplätzen teilnehmen.

lr

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