Soundcheck | Charlotte – Wer soll das alles essen?

Nun, ein paar Tage und Wochen ist es schon her, dass die drei „adretten Herren mit unterschiedlich starkem Bartwuchs“  von Charlotte  ihr neues Album „Wer soll das alles essen?“ mit einem fulminanten Knall im Pelikan released haben. Damals, ende Oktober. Tage und Wochen, in denen sich bezüglich der Zuneigung zu einem neu erschienenen Musikalbum bei mir folgende Szenarien ergeben können: Das Album ist scheiße und bleibt es auch; das Album ist eher so lala, wird aber, je öfter man reinhört, von Tag zu Tag besser; oder das Album ist zu Beginn ziemlich geil, geht einem mit der Zeit aber ziemlich auf den Zeiger, schmiert mit steigendem Hörpensum also zusehends ab.

Die Geburt
M. Monaco im Kreissaal bei der Geburt des neuen Albums von Charlotte. Anschließend wurde es auf den konsumkritischen Namen „Wer soll das alles essen?“ getauft.

Keines dieser Szenarien trifft auf das Album der deutschsprachig singenden Alternative-Band zu. Keine anstrengenden, aufgeblasenen Arrangements; einfach der typisch minimalistische und schnörkellose Charlotte-Sound, der nicht mehr braucht als Schlagzeug, Bass und Gitarre. Energetisch und mitreißend, auch mal dezent eine auf die Fresse, um anschließend mit einem ruhigen und nachdenklichen Song gefühlvoll das blaue Auge zu streicheln. Was sich möglicherweise etwas schizophren anhört, sorgt für eine gute Mischung aus tiefsinniger Unbändigkeit –  ein Album, das von Beginn an gut war und es auch bleibt.

Thematisch behandeln Charlotte in zahlreichen ihren Songs das, was eigentlich schon immer ihr Thema, und Gerüchten zufolge auch Grund für die Gründung war: die zwischenmenschliche Beziehungen zum weiblichen Geschlecht. Ob es das Girl ist, an das man beim  Sex mit einem anderen Mädchen denkt (#6: „Ich hab beim Sex mit dir an sie gedacht“), die Verflossene, die jetzt in einem anderen Land lebt (#4: „Istanbul“) oder die Bordsteinschwalbe Victoria (#8 „Victoria“), die immer für einen da ist.

Wer Lust hat, mal in das Album reinzuhören, der kann HIER bei Charlotte vorbeischauen. Es lohnt sich.

lr

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