Stilbruch-Gesichter | Miri – Quizfee und Kalligraphin

Betrachtet man die Handschrift, so lässt sich sofort erahnen, dass sie kein Lehramt studiert. Denn von einer Sauklaue kann bei ihr keine Rede sein. Vielmehr kommt die Vermutung auf, dass sie heimlich via Studium in der Ferne ihren Master in Kalligraphie absolvierte. Anders lässt sich nicht erklären, warum Tafeln und Schilder im Stilbruch von ihr derart  formvollendet, ästhetisch und gekonnt beschrieben werden: Miri, mit großer Sicherheit baldige Inhaberin des Lehrstuhls für Kalligraphie.

Relativ unspektakulär als behütetes Dorfkind zwischen Feldern und Wald in Bad Mergentheim nahe Würzburg, Baden Württemberg, aufgewachsen, entschloss die heute immer noch sehr junge Miri, nach erfolgreichem Abitur und anschließendem FSJ doch mal den ersten Schritt in die weite Welt zu wagen. Ihr eigentliches Ziel: Dresden. Dass es am Ende aber Bamberg wurde, lag weniger an der Ministrantenfreizeit, die die damalige Sechstklässlerin einst in den Herbstferien in ein Bamberger Brauereimuseum führte, sondern ist vielmehr dem Umstand geschuldet, dass Miri in der Stadt der Semperoper für das Pädagogikstudium eine Absage erhielt.

Gut für uns und gleich doppelt gut für Miri, müsste sie heute doch jeden Montag  gegen fremdenfeindliche Auswüchse und selbsternannte Beschützer des Abendlandes demonstrieren und dabei auch noch schlechtes Bier trinken. Igitt.

Es war 2008, als Miri das erste Mal einen Fuß in den Stilbruch setzte – damals, während ihrer ersten Erstie-Kneipentour. „Ich wusste gleich: Hier werde ich öfter sein. Weniger um hier zu arbeiten, sondern einfach nur zum Feiern.“ Weil jedoch das studentische Partyleben bei Versiegen finanzieller Mittel entsprechend trocken wird, versorgte Miri im einst dem Stilbruch zugehörigen Steh-Café, dem „Sandkasten“, Gäste zunächst mit heißem Kaffee und leckerem Kuchengebäck – und anschließend über Umwege hinterm Stilbruch-Tresen mit kalt-gezapftem Bier.

Seither ist die Sandstraße Miris Zuhause. Sie hat den kürzesten Arbeitsweg aller Mitarbeiter und stolpert beim Verlassen der eigenen Haustür zwangsläufig in den Stilbruch. Doch der ist für sie mittlerweile eine Art Wohnzimmer. Und wie es in einem Wohnzimmer nun mal so ist, trifft man dort Freunde und Familie: „Tatsächlich ist der Stilbruch quasi meine zweite Familie“, erzählt Miri. „Hier sind tolle Freundschaften entstanden, hier kannst du selbstbestimmt arbeiten, kannst deinen Ideen freien Lauf lassen und den Stilbruch mitprägen, mitgestalten und verändern“.

Von Zeit zu Zeit bläst Miri den Staub von der Cocktail-Karte. Sie übernimmt seit mittlerweile sechs Jahren immer Mittwochs die Rolle der Quizfee und singt überbrückend, wenn Quizmaster René wieder seine Fragen vergessen hat, auch mal ein Lied. Sie sorgt seit insgesamt acht Jahren im Service dafür, dass ihr, unsere Gäste, einfach einen guten Abend habt. Miri, Kalligraphin, Quizfee, Allzweckwaffe.

 

 

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