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Interview | Charlotte

Endlich, nämlich am 23. Dezember, stehen sie wieder auf unserer Bühne – die drei adretten Herren mit unterschiedlich starkem Bartwuchs. Ein kleines vorweihnachtliches Wunder, denn seit dem letzten Auftritt im Frühjahr 2015 ist einige Zeit ins Land gegangen. Also haben wir uns entschlossen, M. Monaco, Bergmann Bergmann und Professor Commander 3000 von Charlotte vorab ein paar Fragen zu stellen:

STILBRUCH: Wisst ihr mittlerweile, wer das alles essen soll?
Bergmann Bergmann: Der Albumtitel „Wer Soll Das Alles Essen?“ ist keineswegs eine rhetorische Frage, sondern war viel mehr unser Gedanke gewesen, als wir bei Familie Monaco zum Essen eingeladen waren und Mama Monaco offenbar vergessen hatte, dass wir lediglich ein Trio sind und nicht M. Monacos Fußballmannschaft.
Vor kurzem habt ihr euren neuen Song „Kimono“ und das dazugehörige Video in den sozialen Netzwerken vorgestellt – wann folgt denn das nächste Album?
M. Monaco: Nun ja, wir haben ja eigentlich erst im letzten Jahr ein Album veröffentlicht. Jetzt verdaut doch erstmal das! Aber im Ernst: Wir haben schon wieder sehr feine neue Songs geschrieben – einer davon handelt schon wieder von Essen! Denn anders als Frauen ist Essen immer dein Freund und kann dir nicht weh tun. Aber es gibt Überlegungen, eventuell eine EP zu produzieren, auf der dann auch „Kimono“ drauf sein soll.
Was fasziniert euch so an dem Thema Frauen, Herzschmerz und Beziehung – siehe auch den neuen Song Kimono – so sehr, dass ihr es in euren Liedern immer wieder aufgreift und besingt?
Bergmann Bergmann: Der Philosoph, Ethnobotaniker und Schlagersänger Ignaz Hirnbeißer hat einmal gesagt: „Ein Lied, das nicht von der Liebe handelt, ist es nicht wert überhaupt gesungen zu werden.“ Da hat er Recht. Ich ergänze: Lieder über Essen. Aber das sind ja auch irgendwie Lieder über Liebe.
Euer Sound kommt mit drei Instrumenten – Bass, Gitarre und Schlagzeug – aus. Was macht ihn trotz dieses Minimalismus so eingängig und variantenreich?
Bergmann Bergmann: Jahrzehntelang war das Charlotte-Motto ja „Ohne Proben nach oben!“. Wir haben also versucht, uns auf unserem vermeintlich charmanten Dilettantismus auszuruhen. Dann kam Professor Commander Tom 3000 in die Band. Jetzt ist vieles anders. M. Monaco und ich sind zwar nach wie vor extreme Dilettanten, aber der Professor hat uns mit seinen enormen Skillz in eine naise Kapelle verwandelt, so vong Groove her.
Ende Oktober habt ihr mit „Von Wegen Lisbeth“, einer Band, die gerade deutschlandweit am Durchstarten ist, einen Gig in Würzburg gespielt. Wie kam’s dazu?
Bergmann Bergmann: Die Lisbeths machen das eigentlich nur aus Schuldgefühlen uns gegenüber. Als sie 2014 nach einem Gig im Sound ’n‘ Arts bei mir übernachtet haben, war meine WG weitgehend verwüstet. Ich musste den Zugang in meine Schlafzimmer erst freisägen. Und so kommt es eben, dass sie uns ab und an als Support spielen lassen. Und ja: Wir gedenken weiterhin, ihr schlechtes Gewissen schamlos auszunutzen!
Wo seht ihr Charlottes Zukunft?
M. Monaco: Charlotte ist jetzt 14 Jahre alt. Eine pubertierende Göre, schrecklich! Ich denke, wenn sich ihr Hormonhaushalt etwas eingependelt hat, so mit 17, also im Jahre 2019, wird es soweit sein: Dann kommt der Durchbruch!
Prof Commander 3000: Wir machen das ja auch der Frauen wegen. Meine Mama kommt zum Beispiel ab und zu zum Konzert.
Am 23. Dezember spielt ihr bei Nimm2 im Stilbruch. Was ist euer persönlicher Bezug zu Nimm2 und wie kam’s dazu?
Bergmann Bergmann: Toll, dass Nimm2 eine Heimat im Stilbruch gefunden hat! Dennoch werde ich ganz nostalgisch, denke an die Zeiten im Morphclub. Aber eigentlich kann ich mich gar nicht richtig erinnern, ich war ja immer so betrunken. Na, also gut: Bei Nimm2 sind immer viele Mädels, das gefällt uns. Und wenn wir dann auch noch auf der Bühne stehen dürfen, haben wir einfach den besseren Überblick.
Prof Commander 3000: Die Musik, die Max bei Nimm2 spielt, sagt mir sehr zu, außerdem bin ich immer für ne gute Party mit guten Leuten zu haben und da komm ich bei Nimm2 eigentlich immer auf meine Kosten. Außerdem finde ich es cool, dass das alte Konzept (Band + DJ) wieder auflebt und wir den Jahresabschluss darstellen.
Wichtelt ihr zu Weihnachten untereinander oder verdient ihr als Bamberger Indie-Sternchen mit der Band so viel, dass jeder jedem etwas schenkt?
Bergmann Bergmann: Was schenkt man Bandkollegen, die schon alles haben? Ich habe lange in meinem vergoldeten Jacuzzi über eben jene Frage nachgedacht und konnte auch nach einem ausgewogenen Champagner-Kaviar Frühstück keine befriedigende Antwort finden. Vielleicht fällt mir beim Schwimmen in meinem Geldspeicher noch etwas ein, aber wir müssen auch weiter, meine Rolex sagt, es ist schon kurz vor Siemens und die Fahrer unserer Rolls Royce wartet nicht so gerne.
Okay, letzte Frage: Welche Frage wurde euch als Band noch nicht gestellt und was ist die Antwort darauf?
Professor Commander 3000: Als Band hat uns bisher keiner gefragt: „Kann ich noch einen Rollmops haben?“ Die Antwort wäre natürlich „Passierschein A38!“
Danke!

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YUNG im Stilbruch

Auf ihrem Weg durch Europa haben Yung, eine aufstrebende Indie Punk Band aus Aarus, Dänemark, am vergangenen Freitag auch in Bamberg Halt gemacht.  Für alle, die an diesem Abend nicht nur ihr Gehör verloren haben – es war nämlich ziemlich laut -, sondern auch ihr Gedächtnis – Bier gab’s ja auch-, haben wir hier ein paar Bilder des Abends:

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Interview | King Kong Kicks

Sie sind die große Konstante in der Indie-Szene, zählen deutschlandweit zu den bedeutendsten Indie-,Pop- und Electro-Partys, spielen ihre Sets auf Festivals wie dem Melt, in Clubs in Berlin, Hamburg oder Stuttgart und bringen seit Jahren ihre eigene Compilation heraus, auf die sie ein Destillat der besten Floorfiller des Jahres packen: King Kong Kicks. 2003 gegründet als King Kong Klub, wütet die Gruppe mehr oder weniger junger Indie DJs seit 2009 als King Kong Kicks durch 16 Städte und deren Club-Szene. Für diejenigen, die den großen Affen noch nicht kennen, haben wir vor dem ersten Auftritt im Stilbruch am 27. März 2016 ein Interview:

Wenn ich mich recht entsinne, habt ihr schon einmal in Bamberg aufgelegt, zur Feier des 5-jährigen Bestehens des Morph Clubs – kurz bevor dieser jedoch seine Tore schließen musste. Damals hat auch Bambergs bekannteste Indie-Party – Nimm2 – mit dem Gedanken gespielt, die Platten an den Nagel zu hängen, und ich erinnere mich, dass mein Mittbewohner – seines Zeichens  Indie-/Alternative-Dogmatiker – in einem Zustand von Trauer und Wut an eure Pinnwand geschrieben hat, dass ihr seine letzte Hoffnung seid und ob ihr denn wieder nach Bamberg kommt. Das ist jetzt rund anderthalb Jahre her. Warum hat’s so lange gedauert? Was hat euch so lange aufgehalten?
King Kong Kicks (Gabriel Bajcic): Dass der Morph Club schließen musste traf uns sehr und es hat seine Zeit der emotionalen Verarbeitung gebraucht. Mal im Ernst… Wenn ein Club schließt, ist das immer sehr schade. Ein Problem ist natürlich, dass wir in den vielen Städten, in denen wir regelmäßig zu Gast sind, eben nur Gast sind und man nicht einfach beim Nachbarn klingelt, weil die letzte Beziehung beendet werden musste. Wir haben nun aber kürzlich eine Nachricht eines alten Stammgastes (vielleicht dein Mitbewohner?!) erhalten mit der Bitte, wieder was in Bamberg zu machen. Von ihm kann dann auch der Vorschlag, den Stilbruch anzuschreiben. In diesem Fall haben wir uns also verkuppeln lassen und jetzt sind wir natürlich gespannt auf das erste Date. Ein bisschen kribbelt es ja schon.

King Kong Kicks in Essen. (Foto: King Kong Kicks)

Mit der Reihe King Kong Kicks seid ihr in Clubs  in 16 verschiedenen Großstädten Deutschlands unterwegs und legt auch auf Festivals auf. Warum ist es damals die möglicherweise etwas verschlafene Kleinstadt Bamberg geworden,  warum der „Relaunch“ 2016  und warum im Stilbruch?
Besonders wohl fühlen wir uns in studentischen Szeneclubs. Natürlich liegen da die Großstädte sehr nah. Nichts desto trotz geht es am Ende des Tages um eine schöne Nacht mit interessanten Menschen, die einfach Bock auf Musik haben, sich auch mal fallenlassen können und gern auch morgens mit uns den Club abschließen. In Bamberg gibt es eine gute Indie-Szene und – wenn ich mich recht entsinne – eben diese Menschen, mit denen wir gern feiern. Der Stilbruch ist ein Laden, der kulturell einiges zu bieten hat und bei dem die Lust auf Musik absolut im Vordergrund steht, was uns bei der Partnerwahl sehr wichtig ist. Außerdem fühlen wir uns freundschaftlich zu Max und seiner Nimm2-Party verbunden.
Was erwartet ihr euch von einer Kleinstadt wie Bamberg im Unterschied zu Städten wie Berlin, Hamburg oder Stuttgart in Bezug auf Publikum und Stimmung?Unterschiede gibt es, aber keinen, der sich auf die Größe der Stadt zurückführen lässt. Wir erwarten einen Haufen tanzwütiger, aufgeschlossener und ein bisschen verrückter Leute. Im Grunde ist es egal, ob jemand in Berlin Bock auf die Party hat oder eben in Bamberg. Zumindest ist es uns egal. Wir haben immer unseren Spaß und wollen diesen gern teilen.
Es grassiert das Gerücht, der Indie-Boom habe den Peak bereits vor Jahren erreicht. Was haltet ihr dem als immer noch erfolgreiche Indie-DJs entgegen?
Das stimmt teilweise. Teilweise deshalb, weil Bands, die Indie im rockigen Sinne spielen, kaum an den Erfolg der Bands von vor 5 oder gar 10 Jahren anknüpfen können, mit Ausnahmen natürlich. Andererseits kommen Parties, die eben diesen Classic Indie spielen, mehr und mehr zurück. Wir merken das selbst mit unserer Party The Early Days, die an Zeiten anknüpft, als die King Kong Kicks noch King Kong Klub hießen. Die Kicks sind dagegen etwas offener und moderner und fließen durch verschieden Genres, die aber alle durchaus Berührungspunkte mit der Entwicklung des Indie haben, poppig, elektronisch, mal eine gute Rap-Nummer und das Ganze ohne die Klassiker aus den Augen zu verlieren.

Christian Vorbau, Kopf der King Kong Kicks. (Foto: King Kong Kicks)

Aufgrund ihres vorzüglichen Musikgeschmacks gelten Indie-DJs nicht selten als erhaben und unnahbar. Wie schätzt ihr euch selber ein und wie geht ihr mit allzu profanen Songwünschen um?
„Erhaben“ und „unnahbar“ sind wir nicht und wollen wir auch gar nicht sein. Wir spielen auch mal einen unbekannte, neuen Song, allerdings nie belehrend sondern eher wie es unter Freunden läuft: „Hast du schon die Neue von XY gehört?“ Im Fokus liegt immer die Party an sich und eigentlich stehen wir am liebsten auf einer Ebene, weil wir vor allem mitfeiern wollen. Das ist kein Frontalunterricht.
Regelmäßig presst ihr die musikalischen Errungenschaften, die bei euren Partys den Dancefloor füllen, auf Platte, bringt also eine Compilation der besten Indie-, Pop- und Elektro-Tracks raus.  Wenn ihr hier und jetzt einen Shortplayer mit, sagen wir, fünf Songs präsentieren müsstet,  Songs, die noch niemand kennt, aber sämtliche Indie-Jünger die Tanzfläche stürmen lassen: welche wären das?
Die Arbeit am Sampler bricht Herzen, weil wir uns entscheiden müssen. Da muss dann auch mal der Hit dem unbekannten Artist weichen. Die Mischung ist uns dabei sehr wichtig. Im Prinzip wie im Club, nur dass die Platte etwas ruhiger ist, also für zuhause oder den Baggersee. Eine aktuelle Liste zu erstellen würde also mein kleines Herzchen brechen. Momentan tummeln sich aber die neuen Alben von Miike Snow, Jack Garratt, Soulwax, Lapslay und Get Well Soon auf meinem Player. Der eine oder andere Song könnte am 27.03. auf ein Tänzchen im Stilbruch vorbeikommen.
Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt!

lr

Nimm2 im Interview

Freitag der 30. Oktober, 00:21 Uhr, Stilbruch. Der Schweiß tropft von der Decke, die Menschen tanzen in Ekstase – Nimm2 ist zurück:  Friday, finally we’re in love again.

Vor zehn Jahren von Peter Wittkamp initiiert, übernommen und erfolgreich weiter-getragen von Max Beer, ist Nimm2 nunmehr die einzig verbliebene Indie-Veranstaltung Bambergs. Wir haben uns mit DJ Modest M∆X getroffen und bei einem gemütlichen Hübner-Bock über Nimm2, den Morph und Indie in Bamberg gequatscht.

Los geht’s allerdings mit Peter Wittkamp, den wir in seinem Urlaub so lange mit unseren Fragen bombardiert haben, bis er sich schließlich von der Hotel-Bar losgeeist und uns seine Antworten via Morseapparat zugesendet hat. Danke dafür:

Peter, do you remember the first time? Wie lief das anfangs bei Nimm2 und woher der Name?
Peter Wittkamp: Ich war damals DJ im Stilbruch – jeden Mittwoch gab es BritPop mit PitPop. Starker Name, gell? Mein bester Freund Marius und ich kamen dann irgendwann auf die Idee, mehr daraus zu machen. Gemeinsam mit Stefan, dem Inhaber der Bar, haben wir uns dann das Konzept zu Nimm2 ausgedacht. Erst eine Band, die oben in der Gasstätte spielt, dann Party unten im Jazzkeller. Daher auch der Name: Nimm2. Markenrechtlich gesehen vielleicht ein wenig heikel, aber bis heute hat sich niemand beschwert. An Bands ist damals so ziemlich alles aufgetreten, was Rang und Namen hat: The Libertines, Interpol, Placebo … aber vielleicht täuscht mich meine Erinnerung da auch ein wenig.
Wie kamst du damals überhaupt auf den Gedanken, in Bamberg eine Indie-Party aufzuziehen? Du warst ja hier nicht in Seattle, Peter.
Es gab damals den eher punkigen Rex Report und eine Alternative-lastige Veranstaltung in Bamberg. Dazwischen gab es aber noch Raum für jemanden, der auch mal Belle & Sebastian oder – ja! – Coldplay auflegen wollte. Und diese Nische haben wir dann ausgefüllt.
…und dann an der Löwenbrücke raus. Wann und wie kam es zum Umzug in den Morphclub?
Irgendwann war es zu kompliziert, immer eine Band zu finden. Und so richtig rentiert hat es sich auch nicht. Gema, Gage, Anfahrt – alles ziemlich teuer. Also haben wir die Veranstaltung auf den Tanz-Part reduziert und sind in den alten Morph Club gezogen. War eine sehr schöne Zeit dort. Liebe Grüße an Günther und das ganze Team. Als ich mit dem Studium fast fertig war, bin ich dann nach Berlin gegangen, habe aber immer noch monatlich in Bamberg aufgelegt. Dann irgendwann im neuen Morph Club. Als mir die monatliche Pendelei zu viel wurde, habe ich die Veranstaltung in vertrauensvolle Hände gegeben. Und freue mich sehr, dass es sie auch nach zehn Jahren noch gibt. Nun wieder im Stilbruch … wo alles begann. Stark!

Nimm2 im Stilbruch

Max, seit wann bist du Gastgeber von Nimm2 und wie kam es dazu?
Max Beer: Peter war ja das letzte Mal im Dezember 2011 Veranstalter – ich hab dann ab Februar 2012 übernommen. Da ich vorher im Morph immer mal bei Fachschaftspartys aufgelegt und dadurch schon den Fuß in der Tür hatte, habe ich dann nachgefragt, ob ich Nimm2 übernehmen kann. Mich haben die Rihanna-Wünsche bei den Fachschaftspartys einfach zu sehr genervt, da musste ich die Gelegenheit ergreifen, das aufzulegen, was ich auflegen  möchte.
Seit wann bist du selber Friday in love? Wie bist du als Gast zu Nimm2 gekommen?
Die Musik hör ich natürlich schon seit Jahrzehnten – okay, sagen wir anderthalb Jahrzehnten, so alt bin ich dann auch noch nicht – und hab natürlich als Student auch schon immer Nimm2 besucht. Das war ein Pflichttermin, einfach,  um zu der Musik tanzen zu können, die man privat auch hört. Ich würde sagen – ich hab 2005 angefangen zu studieren – ich war eigentlich so ziemlich von Anfang an dabei, einmal im Monat.
War das noch im Stilbruch?
Das war noch im Stilbruch und dann vor allem im alten Morph und Peter hat ja auch noch im neuen Morph aufgelegt.
Wie hat sich, seitdem du das erste Mal bei Nimm2 am DJ-Pult gestanden hast, die Indie-Szene hier in Bamberg verändert? Ist die Gefolgschaft geringer geworden, haben sich andere Musikrichtungen durchgesetzt?
Seitdem ich angefangen habe, hat sich nicht so viel geändert, aber sehr viel seit der Zeit, als  Peter angefangen hat. 2005 bis 2008 war Indie so ein bisschen die Konsens-Musik unter den Studenten. In den späten 2000ern wurde das immer mehr abgelöst von Elektro. Also die Gefolgschaft, insofern man das so nennen kann, besteht aus einem kleinen Kreis von Leuten, die privat vor allem Indie hören, der Mehrzahl, die neben Elektro auch Indie zugeneigt ist, und Leuten, ich nenne es mal Laufkundschaft, die sich halt drauf einlassen.
Indie ist also nicht „out“?
Das Schöne an Indie ist, dass es, glaube ich, nie „out“ sein wird, auch wenn die Hochzeiten, die Mitte der 2000er waren, vorbei sind. Aber Indie-Musik existiert seit den 80ern und die wird es auch noch in 20 Jahren geben. Das ist keine Eintagsfliege wie bei dem Dubstep-Boom vor zwei Jahren, wo jedes Lied einen Dubstep-Breakdown brauchte. Indie verändert sich, es kommen immer wieder neue Einflüsse dazu. Auch innerhalb der Szene mag sich möglicherweise eine Kleinigkeit verändern, aber das überdauert viele Trends.

Nimm2 im Stilbruch

Du hast Eingangs erwähnt, dass Nimm2 schon seit fast 10 Jahren besteht. Ist zum Jubiläum irgendetwas Besonderes geplant?
Wir sind gerade in der Planung für’s Zehnjährige und wir werden auf jeden Fall etwas auf die Beine stellen, was der Tradition und der zehnjährigen Geschichte Rechnung trägt. Ich mag jetzt aber noch nicht zu viel verraten!
Was hat es für dich als Bamberger Nachtschwärmer aber auch als Veranstalter bedeutet, als der Morph dicht gemacht hat? Hast du mit dem Gedanken gespielt, die Kopfhörer an den Nagel zu hängen? Jedenfalls konnte man damals etwas derartiges auf der Nimm2-Page lesen.
Ich denke, den Verlust des Morphs, den merken alle, die ihn noch gekannt haben, nach wie vor, wenn sie am Wochenende weggehen wollen. Es war ein sicherer Anker in der Partywüste Bamberg, weil man sich einfach sicher sein konnte: Was da stattfindet, wird mit großer Wahrscheinlichkeit einigermaßen geschmackvoll sein. Heutzutage hat man ja Probleme, noch gute Partys zu finden.
Für mich als Veranstalter war es ein Schock, weil es für mich genauso plötzlich kam, wie für alle anderen auch. Nimm2 war damals tatsächlich die vorletzte Veranstaltung, die noch im Morph stattfand. Am Tag danach gab es noch eine Letzte, dann war Schluss. Erst nachdem ich fertig war mit Auflegen, hab ich erfahren, dass der Morph zu macht. Nimm2 war in den Jahren, seit Peter dort hin gewechselt war, so eng mit dem Morph verbunden, auch mit den Leuten und Mitarbeitern dort, dass es mein erster Impuls war, zu sagen: Wenn der Morph endet, dann endet auch Nimm2.
Wie kam es zum Umdenken?
Obwohl ich ursprünglich die Party einstellen wollte, gab‘s dann zwei Entwicklungen. Die erste war, dass mich mehrere Leute darauf angesprochen haben, dass sie nicht auf eine Indie-Veranstaltung verzichten wollen – was ich als Indie-Fan natürlich mehr als nachvollziehen konnte. Der zweite Punkt war, dass ich auch keine Lust hatte, mit dem Ganzen aufzuhören, weil es mir persönlich viel zu wichtig ist, eine Bandbreite im Bamberger Nachtleben mitzugestalten. Und da Nimm2 damals im Stilbruch entstanden ist, war’s für mich dann die erste Option, dort nachzufragen, ob überhaupt Interesse besteht. Ich wusste auch, dass viele Mitarbeiter im Stilbruch regelmäßige Gäste bei Nimm2 waren, dementsprechend hab ich dort offene Türen eingerannt und dafür bin ich unglaublich dankbar.

Nimm2 im Stilbruch

Jetzt ist Nimm2 schon wieder ein Jahr hier – kannst du einen Vergleich zum Morph ziehen?
Der Charakter der Party hat sich durch die Räumlichkeiten natürlich etwas geändert– was Vor- und Nachteile mit sich bringt, sich meiner Meinung nach aber die Waage hält. Ein Nachteil ist vielleicht, dass es im Stilbruch nicht diese Club-Atmosphäre gibt und dadurch tanzt nicht immer der gesamte Raum, wie es vielleicht im Morph der Fall war. Andererseits war es eben bei einer Veranstaltung mit 150 bis 300 Leuten im Morph schwer, den Raum voll zu bekommen. Im Stilbruch hat man mit 200 Leuten volles Haus und das begünstigt meiner Meinung nach auch die Stimmung – zum Positiven. Insofern bin ich sehr zufrieden, auch wenn sich vielleicht von der Grundausrichtung etwas geändert hat.
Angenommen, du müsstest einen Anhänger der  Electro/Techno/Minimal-Szene, die ja in den letzten Jahren in Bamberg schon auf dem Vormarsch ist, von Indie überzeugen – was wäre dein Favourite, mit dem dir das direkt gelingen würde?
Da muss ich erst mal einen Schluck nehmen (schaut für einen Moment tief in sein Glas). Ich versuch jetzt erst mal, der Frage dezent auszuweichen. Indie ist kein festgelegtes Genre und dadurch unglaublich variantenreich. Das versucht die Veranstaltung auch widerzuspiegeln, sodass Leute, die von unterschiedlichen Richtungen kommen, immer irgendwas finden, worauf sie sich einlassen können und wollen. Auch die elektronische Seite versuch ich wenigstens ein bisschen abzudecken. Ich denke, die Mischung macht‘s und die Qualität der Songs an sich. Dass also ein Song, auch wenn man ihn vorher nicht kannte, sofort irgendwie in die Beine geht. Ich denke, das ist das Erfolgsrezept. Denn ein Beat, der tanzbar ist, den haben Indie und elektronische Musik gemeinsam – also irgendeinen besonderen Song kann ich nicht  herausstellen.
Danke, Max, dass du dir die Zeit genommen hast.

Übrigens!

Jede der Parties kann man auch komplett bei Spotify nachhören. Einfach unter www.facebook.com/N2Bamberg vorbeischauen. Wer hier sein „Like“ setzt kann außerdem bei monatlichen Verlosungen von Album-Downloads und Gästelistenplätzen teilnehmen.

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