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Soundcheck | He Told Me To – Hurricane Roleplay

„Indie-Pop“ – es wäre wohl einfacher, den altbekannten und vielbeschworenen Pudding an die Wand zu nageln, als diesen Begriff in irgendeiner Weise zu greifen. Zu inflationär ist der Gebrauch, zu diffus und vage die Bedeutung. Nun besitzt eben diese Vagheit zwei große Vorteile: So ist der Musikhörernde, der nicht weiß, was ihn erwartet, mitunter schwer in seinen Erwartungen zu enttäuschen;  und der Musikschaffende fesselt sich nicht an ein eng definiertes Genre, was ihm kreative Freiräume lässt im Changieren mit den unterschiedlichsten Musikstilen, -richtungen und -einflüssen.

Man darf unterstellen, dass Sandro Weich um letzteren Vorteil dieses „Genres“ wusste, als er nach und nach begann, seinen zweiten Longplayer „Hurricane Roleplay“ zu texten und zu produzieren. Oder es war Zufall. Jedenfalls schuf der in Lichtenfels geborene und heute in Coburg lebende Musiker, der sich vor einigen Jahren dem eigenen (eigentlichen) Solo-Projekt He Told Me To verschrieb, eine Platte, die ihre Stärke in der Vagheit, der Vielfältigkeit, der Unverortbarkeit hat.

Mit dieser Unverortbarkeit spielt er – durchläuft ein Genre und bricht mit diesem bereits im darauffolgenden Song: teils klassisch rockig, teils experimentell poppig, lähmt er mit erdrückender Melancholie und beflügelt anschließend mit aufbauendem Optimismus. So holen einige Songs („Andy [My Girlfriend On Demand]“, „Blink & Memory“) den sonnig-warmen Frühling herbei, während andere („Who’s The Lion“, „Sail Along“, „Working Bee“, „Petty Tyrant“) einen in die düster-kalte Winterzeit zurückdrängen. Zugegeben, die Melancholie, sie überwiegt. Doch wird sie, bevor sie beginnt die Überhand zu gewinnen, – ganz konsequent im Stile der Unverortbarkeit – durch lebendige und impulsive Elemente sowie lateinamerikanische und elektronische Nuancen gebrochen.

„Hurricane Roleplay“ ist also ein Album, das zwar das Rad nicht neu erfindet, das man sich aber ob seiner Vielfalt – seiner klassischen Einflüsse und seiner durchaus experimentellen Nuancen – unbedingt anhören sollte. Auch, weil es sich in zahlreiche Lebenssituationen verorten und übertragen lässt. Einen ersten Live-Eindruck gibt es beim Release-Konzerten am 23. März im Sound ’n‘ Arts, dann steht He Told Me To, anders als gewöhnlich, in Bandbesetzung auf der Bühne.

Denkt daran: support your local musicians!

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Amplified Backdoor Creatures im Interview

ROBOT-WILL-FUTURE-DELAY-ROCK – ein Musikgenre, das dem Namen nach klingen muss, als wäre der Terminator auf der Suche nach Sarah Connor mit seiner Zeitmaschine nicht in den 80ern, sondern in den 60ern gelandet und hätte dort, anstatt sich um das Ableben der eben Genannten zu kümmern, eine Band gegründet. Ganz so lief es bei den Amplified Backdoor Creatures – wenn man den Worten von Bandgründer Wieland Netzband glauben schenken mag – allerdings nicht ab, auch wenn die Band die eigene Musik offiziell  als ROBOT-WILL-FUTURE-DELAY-ROCK beschreibt. Ihre Wurzeln haben die Amplified Backdoor Creatures aber vielmehr im Stoner der 90er Jahre, lassen jedoch auch elektronische Nuancen in ihre Musik mit einfließen. Die Band – 2009 in Berlin gegründet – besteht aus den vier Musikern Wieland, Volker, Enrico und Marcel. Live wird das Ensemble von Tilly abgerundet, die bei Konzerten die Synthesizer bedient.

Derzeit befindet sich die Band auf großer Tour: Deutschland, Tschechien und Belgien stehen auf dem Programm. Am 26. September kommen die Amplified Backdoor Creatures nach Bamberg und spielen live im Sound-n-Arts, wo sie von den Simeon Soul Chargern supportet werden.

Im Vorfeld dieses Gigs haben wir für euch via Skype mit den Amplified Backdoor Creatures ein Interview geführt – viel Spaß!

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