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Interview | „Rock Class“ Frontmann Tim Jäger

Tim Jäger, 36, Berufsmusiker aus dem kleinen Städtchen Marktheidenfeld nahe Würzburg. Als Gitarrist und Frontmann der Band „Rock Class“ tritt er morgen, Freitag  22. Juli, gemeinsam mit seinen drei Bandkollegen Tobias Pawlick (Bass), Xaver Hauck (Drums) und Krister Kunde (Keys) im Stilbruch auf. Wir haben ihm vorab ein paar Fragen gestellt.

Stilbruch: Du bist Berufsmusiker, gibst Musikunterricht und  bist außerdem Kopf der Band „Rock Class“. Bedeutet das unter der Woche den Jungmusikern mit dem Taktstock auf die Finger und am Wochenende ‚on Stage‘ ordentlich auf den Putz hauen?
Tim Jäger: Ja das könnte man so sagen, aber ganz so schlimm ist es dann doch nicht. Ich unterrichte auch viele ältere Menschen. Die Spanne geht von jung bis alt. Musik ist eben keine Frage des alters sondern der Motivation und wichtig ist, dass man Spaß an der Sache hat. Natürlich bin ich auch jedes Wochenende auf den Bühnen der Republik unterwegs. Diese Mischung ist zwar anstrengend, macht aber auch Spaß.
Verlief der Weg zum Berufsmusiker linear oder gab’s Umwege?
Musik hat mich schon immer begeistert. Ich hab meine Musikkarriere im zarten alter von 8 Jahren begonnen und mit 12 Jahren hab ich in der ersten Band gespielt. Irgendwann hat es sich dann abgezeichnet, dass ich doch professionell Musik machen möchte und hab ein Jazz-Studium in Frankfurt begonnen.
Und wie  habt ihr als Band zueinander gefunden?
Wir haben uns im Studium kennengelernt. Wir haben eigentlich als Trio angefangen, aber von der original Besetzung sind nur noch unser Bassist und ich übrig.
„Rock Class“, dem Namen nach könnte man vermuten, dass ihr das Genre des Classic-Rock bedient. Aber weil das aber zu einfach wäre, ist  dem, laut Deiner Aussage, mitnichten so. Wo kann man euch einordnen?
Der Name ist im Studium entstanden, wir haben uns gedacht, wir machen neben dem Jazz noch eine Rock Klasse, deswegen „Rock Class“ auf. Der Name hat eigentlich nichts mit dem eigentlichen Classic Rock zu tun. Das Genre betreffend sind wir eher im Blues Rock verwurzelt. Also richtig erdige, ehrliche Musik mit Ausstrahlung.
Den Großteil der Songs schreibst Du. Euer Titel „Smalltown Boy“ besingt das Leben eines Kleinstadtmusikers, der den Schritt in die Großstadt bzw. die große weite Musikwelt wagt. Autobiographisch oder Wunschvorstellung?
Ich würde sagen es ist etwas allgemeiner angelegt. Damit könnte man ja jeden Musiker beschreiben, der den Traum hat in die große Stadt zu gehen und erfolgreich zu werden.
Ihr kommt aus Marktheidenfeld, das weit hinter Würzburg liegt. In Bamberg tretet ihr aber auch häufiger auf. Was zieht euch immer wieder hier her? Bier? Menschen? Oder doch das viele Geld?
Uns gefällt besonders die einmalige Kneipenatmosphäre, die Menschen und natürlich das gute Bier. Es ist wirklich immer toll in Bamberg zu spielen und wir freuen uns natürlich auf morgen im Stilbruch. Da wir unplugged spielen, haben wir auch einige Songs im Gepäck, die wir sonst nicht spielen. Aber „Smalltown Boy“ ist auf jeden Fall auch dabei.
Spezial-Rauchbier oder Schlenkerla? 
Ich muss leider sagen, beide schmecken mir nicht wirklich. Aber dafür gibt’s im Stilbruch ja jede Menge anderer leckere Biersorten.
Stimmt, verdursten wirst Du morgen also glücklicherweise nicht! Vielen Dank, Tim Jäger, dass Du Dir die Zeit genommen hast.

Foto: Gareth Tynan

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Franken-Tatort mit Stil(i)

Er spielt den Pathologen Lutz Kranich im zweiten Franken-Tatort „Das Recht, sich zu sorgen“, der am kommenden Sonntag – auch im Stilbruch – Premiere feiert, hat bereits ein Schauspielstudium in Freiburg und zahlreiche Engagements – u.a. an der Badischen Landesbühne Bruchsal, am Theater Neustrelitz und am Thüringer Landestheater Rudolstadt – hinter sich, studiert heute Psychologie in Bamberg und sorgt im Stilbruch, wo er als Koch und Barkeeper sein Taschengeld aufbessert, dafür, dass ihr weder verhungern noch verdursten müsst. Sein Name: Benjamin Griebel. Seine Markenzeichen: makelloses Hochdeutsch und feinherbes Pils. Aber nein, er stammt nicht aus dem hohen Norden, sondern aus Unterfranken. Wir haben Benjamin ein paar Fragen gestellt.

Stilbruch: Die wichtigsten Fragen zuerst: Hättest du lieber ein Skalpell in der Küche oder ein Küchenmesser bei der Obduktion?
Benjamin: Beides ist irgendwie falsch. Also, nicht ganz falsch, mit dem Skalpell kann man in der Küche arbeiten. Man braucht halt viel Zeit. Ich steh auch auf große Küchenmesser, weil man damit schnell und gut arbeiten kann, aber für eine Obduktion wär’s wahrscheinlich einfach ein zu großes Werkzeug.
Würdest du lieber einen oscarreifen Hollywoodfilm mit Til Schweiger drehen oder in einem Rosamunde Pilcher Quotenhit mit Wayne Carpendale mitspielen?
Ich freu mich auf beides (lacht). Ich bin auch total froh, dass nächstes Jahr beides stattfindet.
Würdest du lieber – wenn er noch auf Sendung wäre – bei Gottschalk auf der Gäste-Couch sitzen oder Nina Hagen auf deinem Sofa therapieren?
Gottschalk, die Antwort ist Gottschalk!
Warum das?
Weil ich der größte Gottschalk-Fan bin. Der ist einfach so spannend, unkorrekt, chauvinistisch, aber immer ehrlich mit seinen Gästen und er lässt nie jemanden ins Messer laufen. Er war für mich einer der letzten großen Unterhalter, deswegen bin ich traurig, dass er’s nicht mehr macht. Deswegen Gottschalk.
Theaterbühne oder Filmset?
Na ja, das eine kenn ich schon länger, das andere ist eher neu. Es gibt viele parallelen, beides ist spannend, beides ist frustrierend.
Warum frustrierend?
Frustrierend, weil es quasi immer nur damit zu tun hat, dass du versuchst, dich einem Idealzustand anzunähern, ohne dass du diesen Idealzustand jemals erreichst. Das heißt, es birgt immer ein gewisses Frustrationspotential, sowohl auf der Bühne als auch beim Film. Ich finde aber beides spannend und schön.
Etwas Grundlegendes: Warum hast du dich damals entschieden, im Anschluss an dein Schauspiel-Studium zusätzlich Psychologie zu studieren?
Für mich hat es sich irgendwann verdichtet auf Psychologie oder Medizin. Beides hat mit Menschen zu tun, beides ergründet, wie der Mensch funktioniert. Psychologie ist letztendlich noch näher – also kernmäßig  – an dem, was mich sowieso interessiert und was mich an Schauspiel schon immer fasziniert hat: die Fragen, warum wir Menschen so sind, wie wir sind, was uns ausmacht, was uns unterscheidet und warum wir in spezifischen Situationen spezifische Entscheidungen treffen. Und Psychologie ist im Grunde die Wissenschaft dazu.
Und warum fiel die Entscheidung auf Bamberg?
Dadurch, dass meine Freundin und ich unendlich viele Wartesemester hatten, wir beide zusammenleben und unterschiedliche Sachen studieren wollten – das am besten in einer Stadt, die schön, angenehm, nicht zu groß und nicht zu klein ist und außerdem gute Studienbedingungen aufweist –  haben wir uns damals für Bamberg entschieden. Und bisher haben wir es noch keine Sekunde bereut.
Einen Schritt weiter: Wie bist du an die Rolle des Pathologen Lutz Kranich im Franken-Tatort gekommen?
Ich bediene da wahrscheinlich eine Schnittmenge zwischen Native Speaker „Frange“ und Schauspieler. Und meine Einschätzung ist die, dass die Caster einfach mal nach Leuten, auf die das zutrifft, gesucht haben, sie gegoogelt haben. Von denen wurden dann einige zum Casting für den ersten Franken-Tatort eingeladen –  auch ich. Das ist damals auch ziemlich gut gelaufen, entschieden haben sie sich aber für zwei andere Schauspieler. Jetzt, beim zweiten Franken-Tatort, haben sie sich scheinbar wieder an mich erinnert und sich bei mir gemeldet. Einfluss auf die endgültigen Entscheidungsprozesse hat man aber als Schauspieler – außer durch das Casting –  keinen.
Was war dein erstes Gefühl, als du wusstest, du hast die Rolle?
Irritation, da ich nicht damit gerechnet habe. Man muss wissen, das Regie- und Produktionsteam wechselt bei jedem Tatort – neue Regie, neue Kamera, neuer künstlerischer Stab. Das neue Team kannte mich also nicht. Deswegen hätte ich vermutet, dass sie mich nochmal sehen wollen, bevor sie mir diese Rolle geben. Aber anscheinend haben die Aufzeichnungen des ersten Castings gereicht. Und ja, danach Freude und Angst, wie bei allem im Leben.
Der Otto Normalverbrauchen würde an dieser Stelle eigentlich sagen: „Der spielt im Tatort mit, der muss ausgesorgt haben!“ Was ist deine Antwort?
Es ist eine kleine – eine sehr schöne -, aber eben eine kleine Rolle. Trotzdem, Tatort ist natürlich wunderschön, weil es eine so positive Resonanz gibt und weil einen so viele Leute sehen. Ob das aber so weiter geht und ob meine Rolle jetzt aussagekräftig genug ist, um zu sagen „Leck mich am Arsch, der hat ja mega was auf dem Kasten. Wo war der die ganze Zeit?“, das ist eher unwahrscheinlich. Ich sehe das Ganze erstmal als schönen Ausflug. Aber ob das dann so weitergeht, das ist von so vielen Faktoren abhängig, die ich nicht selbst in der Hand habe. Ausgesorgt hat man damit aber absolut nicht.
Hast du dich auf die Rolle vorbereitet?
Klar. Man trifft sich mit dem Regisseur und tauscht sich über die Figur aus, dann stellt man sich alle möglichen Fragen, wie zum Beispiel : Was ist dieser Lutz Kranich überhaupt so für ein Typ? Auch Dinge, die im Film selber gar nicht erzählt werden, bespricht man: Wo wohnt er? Bei seiner Mutter? Alleine? Ist er von seiner Freundin verlassen worden? Warum ist er in bestimmten Situationen unglücklich? Wie ist er in der Schule behandelt worden? War er ein Außenseiter oder eher ein Mitläufer? Trinkt er gerne Bier? Isst er gerne Fleisch? Ist er Sinnlich? Letztendlich hilft jede Beschäftigung mit der Rolle, um sie besser zu verstehen.
Wie würdest du Lutz Kranich in einem Satz beschreiben?
Er ist der untypische fränkische Grantler. Ehrlich und ein schräger Vogel, der anders handelt, als es die Norm vorschreibt.
Wie war es für dich, bei der Premiere des Tatorts das erste Mal das Gesamtwerk betrachten zu können?
Also für mich ist vor allem der ganze Kontext neu: viele Fotografen, viele wichtige Leute. Ich bin da ja ein extrem kleines Licht, deswegen ist es spannend, die Kollegen zu beobachten, die das alles kennen und wissen, wie das geht. Die gehen deutlich souveräner mit dem Ganzen um als ich. Und selber den Film anzuschauen, das ist, wie seine eigene Stimme zu hören. Also mir war vorher schon klar, dass ich mich selber sowieso blöd finde, insofern war das in Ordnung (lacht). Abgesehen davon ist der Film wahnsinnig toll geworden und ich freue mich, dass ich dabei bin.
Wo schaust du kommenden Sonntag den Tatort?
Hier im Stilbruch. Glücklicherweise darf ich aus der Küche raus.
Ich hoffe, du hast reserviert?
Hab die letzten zwei Karten.
Und wann gibt’s die erste Autogrammstunde?
Falls dann noch jemand eins will und das, was ich unterschreibe, keine Lebensversicherung ist – gerne. Ich bezweifle aber, dass jemand eines möchte (lacht).

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Interview | King Kong Kicks

Sie sind die große Konstante in der Indie-Szene, zählen deutschlandweit zu den bedeutendsten Indie-,Pop- und Electro-Partys, spielen ihre Sets auf Festivals wie dem Melt, in Clubs in Berlin, Hamburg oder Stuttgart und bringen seit Jahren ihre eigene Compilation heraus, auf die sie ein Destillat der besten Floorfiller des Jahres packen: King Kong Kicks. 2003 gegründet als King Kong Klub, wütet die Gruppe mehr oder weniger junger Indie DJs seit 2009 als King Kong Kicks durch 16 Städte und deren Club-Szene. Für diejenigen, die den großen Affen noch nicht kennen, haben wir vor dem ersten Auftritt im Stilbruch am 27. März 2016 ein Interview:

Wenn ich mich recht entsinne, habt ihr schon einmal in Bamberg aufgelegt, zur Feier des 5-jährigen Bestehens des Morph Clubs – kurz bevor dieser jedoch seine Tore schließen musste. Damals hat auch Bambergs bekannteste Indie-Party – Nimm2 – mit dem Gedanken gespielt, die Platten an den Nagel zu hängen, und ich erinnere mich, dass mein Mittbewohner – seines Zeichens  Indie-/Alternative-Dogmatiker – in einem Zustand von Trauer und Wut an eure Pinnwand geschrieben hat, dass ihr seine letzte Hoffnung seid und ob ihr denn wieder nach Bamberg kommt. Das ist jetzt rund anderthalb Jahre her. Warum hat’s so lange gedauert? Was hat euch so lange aufgehalten?
King Kong Kicks (Gabriel Bajcic): Dass der Morph Club schließen musste traf uns sehr und es hat seine Zeit der emotionalen Verarbeitung gebraucht. Mal im Ernst… Wenn ein Club schließt, ist das immer sehr schade. Ein Problem ist natürlich, dass wir in den vielen Städten, in denen wir regelmäßig zu Gast sind, eben nur Gast sind und man nicht einfach beim Nachbarn klingelt, weil die letzte Beziehung beendet werden musste. Wir haben nun aber kürzlich eine Nachricht eines alten Stammgastes (vielleicht dein Mitbewohner?!) erhalten mit der Bitte, wieder was in Bamberg zu machen. Von ihm kann dann auch der Vorschlag, den Stilbruch anzuschreiben. In diesem Fall haben wir uns also verkuppeln lassen und jetzt sind wir natürlich gespannt auf das erste Date. Ein bisschen kribbelt es ja schon.

King Kong Kicks in Essen. (Foto: King Kong Kicks)

Mit der Reihe King Kong Kicks seid ihr in Clubs  in 16 verschiedenen Großstädten Deutschlands unterwegs und legt auch auf Festivals auf. Warum ist es damals die möglicherweise etwas verschlafene Kleinstadt Bamberg geworden,  warum der „Relaunch“ 2016  und warum im Stilbruch?
Besonders wohl fühlen wir uns in studentischen Szeneclubs. Natürlich liegen da die Großstädte sehr nah. Nichts desto trotz geht es am Ende des Tages um eine schöne Nacht mit interessanten Menschen, die einfach Bock auf Musik haben, sich auch mal fallenlassen können und gern auch morgens mit uns den Club abschließen. In Bamberg gibt es eine gute Indie-Szene und – wenn ich mich recht entsinne – eben diese Menschen, mit denen wir gern feiern. Der Stilbruch ist ein Laden, der kulturell einiges zu bieten hat und bei dem die Lust auf Musik absolut im Vordergrund steht, was uns bei der Partnerwahl sehr wichtig ist. Außerdem fühlen wir uns freundschaftlich zu Max und seiner Nimm2-Party verbunden.
Was erwartet ihr euch von einer Kleinstadt wie Bamberg im Unterschied zu Städten wie Berlin, Hamburg oder Stuttgart in Bezug auf Publikum und Stimmung?Unterschiede gibt es, aber keinen, der sich auf die Größe der Stadt zurückführen lässt. Wir erwarten einen Haufen tanzwütiger, aufgeschlossener und ein bisschen verrückter Leute. Im Grunde ist es egal, ob jemand in Berlin Bock auf die Party hat oder eben in Bamberg. Zumindest ist es uns egal. Wir haben immer unseren Spaß und wollen diesen gern teilen.
Es grassiert das Gerücht, der Indie-Boom habe den Peak bereits vor Jahren erreicht. Was haltet ihr dem als immer noch erfolgreiche Indie-DJs entgegen?
Das stimmt teilweise. Teilweise deshalb, weil Bands, die Indie im rockigen Sinne spielen, kaum an den Erfolg der Bands von vor 5 oder gar 10 Jahren anknüpfen können, mit Ausnahmen natürlich. Andererseits kommen Parties, die eben diesen Classic Indie spielen, mehr und mehr zurück. Wir merken das selbst mit unserer Party The Early Days, die an Zeiten anknüpft, als die King Kong Kicks noch King Kong Klub hießen. Die Kicks sind dagegen etwas offener und moderner und fließen durch verschieden Genres, die aber alle durchaus Berührungspunkte mit der Entwicklung des Indie haben, poppig, elektronisch, mal eine gute Rap-Nummer und das Ganze ohne die Klassiker aus den Augen zu verlieren.

Christian Vorbau, Kopf der King Kong Kicks. (Foto: King Kong Kicks)

Aufgrund ihres vorzüglichen Musikgeschmacks gelten Indie-DJs nicht selten als erhaben und unnahbar. Wie schätzt ihr euch selber ein und wie geht ihr mit allzu profanen Songwünschen um?
„Erhaben“ und „unnahbar“ sind wir nicht und wollen wir auch gar nicht sein. Wir spielen auch mal einen unbekannte, neuen Song, allerdings nie belehrend sondern eher wie es unter Freunden läuft: „Hast du schon die Neue von XY gehört?“ Im Fokus liegt immer die Party an sich und eigentlich stehen wir am liebsten auf einer Ebene, weil wir vor allem mitfeiern wollen. Das ist kein Frontalunterricht.
Regelmäßig presst ihr die musikalischen Errungenschaften, die bei euren Partys den Dancefloor füllen, auf Platte, bringt also eine Compilation der besten Indie-, Pop- und Elektro-Tracks raus.  Wenn ihr hier und jetzt einen Shortplayer mit, sagen wir, fünf Songs präsentieren müsstet,  Songs, die noch niemand kennt, aber sämtliche Indie-Jünger die Tanzfläche stürmen lassen: welche wären das?
Die Arbeit am Sampler bricht Herzen, weil wir uns entscheiden müssen. Da muss dann auch mal der Hit dem unbekannten Artist weichen. Die Mischung ist uns dabei sehr wichtig. Im Prinzip wie im Club, nur dass die Platte etwas ruhiger ist, also für zuhause oder den Baggersee. Eine aktuelle Liste zu erstellen würde also mein kleines Herzchen brechen. Momentan tummeln sich aber die neuen Alben von Miike Snow, Jack Garratt, Soulwax, Lapslay und Get Well Soon auf meinem Player. Der eine oder andere Song könnte am 27.03. auf ein Tänzchen im Stilbruch vorbeikommen.
Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt!

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Brücken-Interview mit Neko Neko

Lagerfeuerhymnen – Lieder, die einen in der Vergangenheit schwelgen lassen, die gemeinsam mit Freundinnen und Freunden erlebte Momente ins Gedächtnis rufen – nachts am See, das Klirren der Bierflaschen, das Knistern und Knacken des brennenden Holzes, das im Feuer einen harzig rauchigen Duft freisetzt, eine Gitarre, eine Stimme, ein Lied und das Gefühl von totaler Sorglosigkeit und unendlicher Freiheit. Erinnerungen, die einen in den kalten Tagen von den nächsten milden und sternenklaren Sommernächten träumen lassen – aber die sind noch fern. Wer sich aber solch einen Moment in der kalten Tristesse des Dezembers wünscht, der sollte der Musik der beiden Lagerfeuermusikanten Daniel Hohorst (Bremen) und Dominik Herrmann (Augsburg) lauschen, die als Duo unter dem Namen Neko Neko auftreten (HIER könnt ihr mal reinhören).

Das Duo spielt am 17. Dezember (Do) im Stilbruch  als Support für Folk-Musiker und Singer-Songwriter Olaf Kock. Wir haben uns auf die Untere Brücke gesetzt und dort bei einem heißen Glühwein mit den beiden Jungs von Neko Neko ein Interview geführt, um sie euch vorzustellen:

Natürlich wollen wir euch auch die Musik von Olaf Kock nicht vorenthalten. Der aus Bremen stammende Künstler, Maler und Singer-Songwriter ist auch Sänger des Musik-Projekts dogsrunfree. Nur mit seiner Akustikgitarre, seiner Stimme und vielen Songs über verrückte, dahineilende, traurige und glorreiche Zeiten im Gepäck zieht es ihn bei seiner letzten Solo-Tour des Jahres vom hohen Norden in den tiefen Süden – von Bremen nach Augsburg. Und tatsächlich betritt er bei seinem Auftritt in Bamberg das erste Mal Neuland – bayerischen Boden.

foto (c) by Lars Kaempf
foto (c) by Lars Kaempf

Kommt vorbei, werft die Gläser an die Wand und schlagt die Hände zusammen, wenn Olaf Kock und Neko Neko nächste Woche im Stilbruch zu Besuch sind! Ach ja, hier geht’s zu Olaf Kocks Song „The Garden“:

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Nimm2 im Interview

Freitag der 30. Oktober, 00:21 Uhr, Stilbruch. Der Schweiß tropft von der Decke, die Menschen tanzen in Ekstase – Nimm2 ist zurück:  Friday, finally we’re in love again.

Vor zehn Jahren von Peter Wittkamp initiiert, übernommen und erfolgreich weiter-getragen von Max Beer, ist Nimm2 nunmehr die einzig verbliebene Indie-Veranstaltung Bambergs. Wir haben uns mit DJ Modest M∆X getroffen und bei einem gemütlichen Hübner-Bock über Nimm2, den Morph und Indie in Bamberg gequatscht.

Los geht’s allerdings mit Peter Wittkamp, den wir in seinem Urlaub so lange mit unseren Fragen bombardiert haben, bis er sich schließlich von der Hotel-Bar losgeeist und uns seine Antworten via Morseapparat zugesendet hat. Danke dafür:

Peter, do you remember the first time? Wie lief das anfangs bei Nimm2 und woher der Name?
Peter Wittkamp: Ich war damals DJ im Stilbruch – jeden Mittwoch gab es BritPop mit PitPop. Starker Name, gell? Mein bester Freund Marius und ich kamen dann irgendwann auf die Idee, mehr daraus zu machen. Gemeinsam mit Stefan, dem Inhaber der Bar, haben wir uns dann das Konzept zu Nimm2 ausgedacht. Erst eine Band, die oben in der Gasstätte spielt, dann Party unten im Jazzkeller. Daher auch der Name: Nimm2. Markenrechtlich gesehen vielleicht ein wenig heikel, aber bis heute hat sich niemand beschwert. An Bands ist damals so ziemlich alles aufgetreten, was Rang und Namen hat: The Libertines, Interpol, Placebo … aber vielleicht täuscht mich meine Erinnerung da auch ein wenig.
Wie kamst du damals überhaupt auf den Gedanken, in Bamberg eine Indie-Party aufzuziehen? Du warst ja hier nicht in Seattle, Peter.
Es gab damals den eher punkigen Rex Report und eine Alternative-lastige Veranstaltung in Bamberg. Dazwischen gab es aber noch Raum für jemanden, der auch mal Belle & Sebastian oder – ja! – Coldplay auflegen wollte. Und diese Nische haben wir dann ausgefüllt.
…und dann an der Löwenbrücke raus. Wann und wie kam es zum Umzug in den Morphclub?
Irgendwann war es zu kompliziert, immer eine Band zu finden. Und so richtig rentiert hat es sich auch nicht. Gema, Gage, Anfahrt – alles ziemlich teuer. Also haben wir die Veranstaltung auf den Tanz-Part reduziert und sind in den alten Morph Club gezogen. War eine sehr schöne Zeit dort. Liebe Grüße an Günther und das ganze Team. Als ich mit dem Studium fast fertig war, bin ich dann nach Berlin gegangen, habe aber immer noch monatlich in Bamberg aufgelegt. Dann irgendwann im neuen Morph Club. Als mir die monatliche Pendelei zu viel wurde, habe ich die Veranstaltung in vertrauensvolle Hände gegeben. Und freue mich sehr, dass es sie auch nach zehn Jahren noch gibt. Nun wieder im Stilbruch … wo alles begann. Stark!

Nimm2 im Stilbruch

Max, seit wann bist du Gastgeber von Nimm2 und wie kam es dazu?
Max Beer: Peter war ja das letzte Mal im Dezember 2011 Veranstalter – ich hab dann ab Februar 2012 übernommen. Da ich vorher im Morph immer mal bei Fachschaftspartys aufgelegt und dadurch schon den Fuß in der Tür hatte, habe ich dann nachgefragt, ob ich Nimm2 übernehmen kann. Mich haben die Rihanna-Wünsche bei den Fachschaftspartys einfach zu sehr genervt, da musste ich die Gelegenheit ergreifen, das aufzulegen, was ich auflegen  möchte.
Seit wann bist du selber Friday in love? Wie bist du als Gast zu Nimm2 gekommen?
Die Musik hör ich natürlich schon seit Jahrzehnten – okay, sagen wir anderthalb Jahrzehnten, so alt bin ich dann auch noch nicht – und hab natürlich als Student auch schon immer Nimm2 besucht. Das war ein Pflichttermin, einfach,  um zu der Musik tanzen zu können, die man privat auch hört. Ich würde sagen – ich hab 2005 angefangen zu studieren – ich war eigentlich so ziemlich von Anfang an dabei, einmal im Monat.
War das noch im Stilbruch?
Das war noch im Stilbruch und dann vor allem im alten Morph und Peter hat ja auch noch im neuen Morph aufgelegt.
Wie hat sich, seitdem du das erste Mal bei Nimm2 am DJ-Pult gestanden hast, die Indie-Szene hier in Bamberg verändert? Ist die Gefolgschaft geringer geworden, haben sich andere Musikrichtungen durchgesetzt?
Seitdem ich angefangen habe, hat sich nicht so viel geändert, aber sehr viel seit der Zeit, als  Peter angefangen hat. 2005 bis 2008 war Indie so ein bisschen die Konsens-Musik unter den Studenten. In den späten 2000ern wurde das immer mehr abgelöst von Elektro. Also die Gefolgschaft, insofern man das so nennen kann, besteht aus einem kleinen Kreis von Leuten, die privat vor allem Indie hören, der Mehrzahl, die neben Elektro auch Indie zugeneigt ist, und Leuten, ich nenne es mal Laufkundschaft, die sich halt drauf einlassen.
Indie ist also nicht „out“?
Das Schöne an Indie ist, dass es, glaube ich, nie „out“ sein wird, auch wenn die Hochzeiten, die Mitte der 2000er waren, vorbei sind. Aber Indie-Musik existiert seit den 80ern und die wird es auch noch in 20 Jahren geben. Das ist keine Eintagsfliege wie bei dem Dubstep-Boom vor zwei Jahren, wo jedes Lied einen Dubstep-Breakdown brauchte. Indie verändert sich, es kommen immer wieder neue Einflüsse dazu. Auch innerhalb der Szene mag sich möglicherweise eine Kleinigkeit verändern, aber das überdauert viele Trends.

Nimm2 im Stilbruch

Du hast Eingangs erwähnt, dass Nimm2 schon seit fast 10 Jahren besteht. Ist zum Jubiläum irgendetwas Besonderes geplant?
Wir sind gerade in der Planung für’s Zehnjährige und wir werden auf jeden Fall etwas auf die Beine stellen, was der Tradition und der zehnjährigen Geschichte Rechnung trägt. Ich mag jetzt aber noch nicht zu viel verraten!
Was hat es für dich als Bamberger Nachtschwärmer aber auch als Veranstalter bedeutet, als der Morph dicht gemacht hat? Hast du mit dem Gedanken gespielt, die Kopfhörer an den Nagel zu hängen? Jedenfalls konnte man damals etwas derartiges auf der Nimm2-Page lesen.
Ich denke, den Verlust des Morphs, den merken alle, die ihn noch gekannt haben, nach wie vor, wenn sie am Wochenende weggehen wollen. Es war ein sicherer Anker in der Partywüste Bamberg, weil man sich einfach sicher sein konnte: Was da stattfindet, wird mit großer Wahrscheinlichkeit einigermaßen geschmackvoll sein. Heutzutage hat man ja Probleme, noch gute Partys zu finden.
Für mich als Veranstalter war es ein Schock, weil es für mich genauso plötzlich kam, wie für alle anderen auch. Nimm2 war damals tatsächlich die vorletzte Veranstaltung, die noch im Morph stattfand. Am Tag danach gab es noch eine Letzte, dann war Schluss. Erst nachdem ich fertig war mit Auflegen, hab ich erfahren, dass der Morph zu macht. Nimm2 war in den Jahren, seit Peter dort hin gewechselt war, so eng mit dem Morph verbunden, auch mit den Leuten und Mitarbeitern dort, dass es mein erster Impuls war, zu sagen: Wenn der Morph endet, dann endet auch Nimm2.
Wie kam es zum Umdenken?
Obwohl ich ursprünglich die Party einstellen wollte, gab‘s dann zwei Entwicklungen. Die erste war, dass mich mehrere Leute darauf angesprochen haben, dass sie nicht auf eine Indie-Veranstaltung verzichten wollen – was ich als Indie-Fan natürlich mehr als nachvollziehen konnte. Der zweite Punkt war, dass ich auch keine Lust hatte, mit dem Ganzen aufzuhören, weil es mir persönlich viel zu wichtig ist, eine Bandbreite im Bamberger Nachtleben mitzugestalten. Und da Nimm2 damals im Stilbruch entstanden ist, war’s für mich dann die erste Option, dort nachzufragen, ob überhaupt Interesse besteht. Ich wusste auch, dass viele Mitarbeiter im Stilbruch regelmäßige Gäste bei Nimm2 waren, dementsprechend hab ich dort offene Türen eingerannt und dafür bin ich unglaublich dankbar.

Nimm2 im Stilbruch

Jetzt ist Nimm2 schon wieder ein Jahr hier – kannst du einen Vergleich zum Morph ziehen?
Der Charakter der Party hat sich durch die Räumlichkeiten natürlich etwas geändert– was Vor- und Nachteile mit sich bringt, sich meiner Meinung nach aber die Waage hält. Ein Nachteil ist vielleicht, dass es im Stilbruch nicht diese Club-Atmosphäre gibt und dadurch tanzt nicht immer der gesamte Raum, wie es vielleicht im Morph der Fall war. Andererseits war es eben bei einer Veranstaltung mit 150 bis 300 Leuten im Morph schwer, den Raum voll zu bekommen. Im Stilbruch hat man mit 200 Leuten volles Haus und das begünstigt meiner Meinung nach auch die Stimmung – zum Positiven. Insofern bin ich sehr zufrieden, auch wenn sich vielleicht von der Grundausrichtung etwas geändert hat.
Angenommen, du müsstest einen Anhänger der  Electro/Techno/Minimal-Szene, die ja in den letzten Jahren in Bamberg schon auf dem Vormarsch ist, von Indie überzeugen – was wäre dein Favourite, mit dem dir das direkt gelingen würde?
Da muss ich erst mal einen Schluck nehmen (schaut für einen Moment tief in sein Glas). Ich versuch jetzt erst mal, der Frage dezent auszuweichen. Indie ist kein festgelegtes Genre und dadurch unglaublich variantenreich. Das versucht die Veranstaltung auch widerzuspiegeln, sodass Leute, die von unterschiedlichen Richtungen kommen, immer irgendwas finden, worauf sie sich einlassen können und wollen. Auch die elektronische Seite versuch ich wenigstens ein bisschen abzudecken. Ich denke, die Mischung macht‘s und die Qualität der Songs an sich. Dass also ein Song, auch wenn man ihn vorher nicht kannte, sofort irgendwie in die Beine geht. Ich denke, das ist das Erfolgsrezept. Denn ein Beat, der tanzbar ist, den haben Indie und elektronische Musik gemeinsam – also irgendeinen besonderen Song kann ich nicht  herausstellen.
Danke, Max, dass du dir die Zeit genommen hast.

Übrigens!

Jede der Parties kann man auch komplett bei Spotify nachhören. Einfach unter www.facebook.com/N2Bamberg vorbeischauen. Wer hier sein „Like“ setzt kann außerdem bei monatlichen Verlosungen von Album-Downloads und Gästelistenplätzen teilnehmen.

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Amplified Backdoor Creatures im Interview

ROBOT-WILL-FUTURE-DELAY-ROCK – ein Musikgenre, das dem Namen nach klingen muss, als wäre der Terminator auf der Suche nach Sarah Connor mit seiner Zeitmaschine nicht in den 80ern, sondern in den 60ern gelandet und hätte dort, anstatt sich um das Ableben der eben Genannten zu kümmern, eine Band gegründet. Ganz so lief es bei den Amplified Backdoor Creatures – wenn man den Worten von Bandgründer Wieland Netzband glauben schenken mag – allerdings nicht ab, auch wenn die Band die eigene Musik offiziell  als ROBOT-WILL-FUTURE-DELAY-ROCK beschreibt. Ihre Wurzeln haben die Amplified Backdoor Creatures aber vielmehr im Stoner der 90er Jahre, lassen jedoch auch elektronische Nuancen in ihre Musik mit einfließen. Die Band – 2009 in Berlin gegründet – besteht aus den vier Musikern Wieland, Volker, Enrico und Marcel. Live wird das Ensemble von Tilly abgerundet, die bei Konzerten die Synthesizer bedient.

Derzeit befindet sich die Band auf großer Tour: Deutschland, Tschechien und Belgien stehen auf dem Programm. Am 26. September kommen die Amplified Backdoor Creatures nach Bamberg und spielen live im Sound-n-Arts, wo sie von den Simeon Soul Chargern supportet werden.

Im Vorfeld dieses Gigs haben wir für euch via Skype mit den Amplified Backdoor Creatures ein Interview geführt – viel Spaß!

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